Der ausgedehnte Park prangte in der herrlichsten Frühlingspracht. Unter den hohen Bäumen führte ein Netz von Wegen an herrlichen Blumenbeeten vorüber bis in die entferntesten Teile. Weite Flächen saftiggrünen Rasens wechselten mit dichtbewachsenen Laubengängen, und hinten an der Mauer befanden sich, von fast undurchdringlichem Blattwerk umgeben, lauschige Winkel.

Sonnhild brach wiederholt in Ausrufe des Entzückens aus. Diese Schönheit hatte sie noch nicht gesehen! Und sie bedauerte, daß in der engen Stadt die Anlage selbst eines kleinen Gartens nicht möglich sei.

Jetzt dauerte es auch nicht mehr lange, bis das Mädchen die bisher bewahrte Zurückhaltung vergaß. Flüchtigen Fußes entlief sie ihm, daß der Jüngling Mühe hatte, sie zu fangen. Dann wieder war sie plötzlich verschwunden, und Bernhard von Miltitz sah ihr helles Kleid zwischen den grünen Laubengängen schimmern, bis sie ein gutes Versteck gefunden hatte. Nun ging er ans Suchen.

Obwohl er alle verschwiegenen Winkel des Parkes genau kannte, tat er doch so, als bereite es ihm Mühe, sie zu entdecken. Absichtlich lief er einige Male dicht an ihrem Versteck vorüber, selbst ihr leises Kichern überhörend. Und wenn er das verborgene Plätzchen endlich erreichte und die dicht verschlungenen Ranken auseinanderbog, dann sah er das Mädchen niedergeduckt auf dem Erdboden, und ihre lachenden Augen waren auf ihn gerichtet. Bis sie mit einem Freudenruf aufsprang und jubelte:

»Nein, Junker, wie schön es hier doch ist!«

So wiederholte sich das anmutige Spiel oft, ohne daß eines von ihnen merkte, wie rasch der Nachmittag verging.

Als aber die Schatten der Bäume immer länger wurden, erklärte Sonnhild, heimkehren zu müssen. Und Bernhard von Miltitz erkannte, wie sich die Freude des Mädchens dämpfte und leises Bedauern sie erfüllte.

»Ich bringe Euch bis zum Plossenberg zurück, Jungfrau,« sagte er tröstend. Damit führte er sie zum Park hinaus wieder auf den schmalen Waldweg den sie gekommen. Und da dieser Pfad eben recht eng war und sie doch zu zweien bleiben wollten, mußten sie dicht nebeneinander gehen. So kam es, daß sich ihre Hände wiederholt berührten. Bis mit einem Male Bernhard ihre weiche Hand ergriff und festhielt.

Bei dieser Berührung schreckte das Mädchen zusammen, und ihr sprudelndes Plaudern stockte für einen Augenblick. Doch sie entzog ihm die Hand nicht. Als sie aber nach einer kleinen Weile fühlte, wie sich der Arm des jungen Mannes leise in den ihrigen legte, schwieg sie plötzlich. Eine dunkle Röte flammte in dem lieblichen Gesicht der Jungfrau auf, und ein langer, flehender Blick aus ihren großen Augen traf ihn.