Inhalt
| Kapitel | Seite | |
| 1. | Vor fünf Jahren | [7] |
| 2. | Das Wiedersehen | [21] |
| 3. | Frau Magdalena erlebt eine Überraschung | [33] |
| 4. | Eine stürmische Ratsversammlung | [39] |
| 5. | Der Amtmann im Urteil der Bürgerschaft | [53] |
| 6. | Unerwarteter Besuch im Rathaus | [63] |
| 7. | Eine große Enttäuschung | [75] |
| 8. | Zwei bewegte Unterredungen | [82] |
| 9. | Im Schatten des alten Markgrafenschlosses | [98] |
| 10. | Der neue Herr | [112] |
| 11. | Der Kurier des Herzogs | [120] |
| 12. | Benedikt Biertimpel | [128] |
| 13. | Drei Fragen | [136] |
| 14. | Nächtlicher Besuch im Dom | [155] |
| 15. | Die Sterne schweigen | [171] |
| 16. | Wider die Brüder des heiligen Franziskus | [178] |
| 17. | Das Geheimnis | [188] |
| 18. | Die beiden roten Rosen | [200] |
| 19. | Im »Gasthof zur Dürren Henne« | [206] |
| 20. | Das Schönste, was ihr der Spielmann gesungen | [221] |
| 21. | Rebbe Liebmann, der alte Jude | [229] |
| 22. | Die drei Getreuen | [234] |
| 23. | Der Ritt nach Dresden | [255] |
| 24. | Unter den sieben Eichen | [259] |
Erstes Kapitel
Vor fünf Jahren
Zu alten Zeiten bedeckte das heutige Sachsen dichter Wald. Näheres über seinen damaligen Zustand wissen wir nicht. Das Land ist viel später als der Westen Germaniens in die Geschichte eingetreten. Tacitus verwechselte die Elbe mit der Saale, indem er diese als Hauptstrom bezeichnete, während er die Elbe für einen Nebenstrom hielt. Der erste römische Feldherr, der vom Rhein her am tiefsten in das unwegsame Land der Germanen eindrang, war Drusus; er erblickte den mittleren Lauf der Elbe. Den Boden Sachsens aber werden die Legionen der Römer wohl niemals betreten haben.
Nach ihm näherte sich erst Germanicus wieder dem Herzen des Landes. Seine Abberufung vereitelte das weitere Vordringen. Die Hand der Geschichte zog sich schon wieder zurück, nachdem sie den Saum des Schleiers kaum berührt hatte, der über diese Gegend gebreitet war.
Jahrhunderte vergingen. Da kam die Völkerwanderung. Ihr Strom riß die an der oberen Elbe sitzenden germanischen Stämme südwestlich mit fort. Das freigewordene Land besetzte ein slawisches Volk, die Daleminzier. Ihrem weiteren Vordringen nach dem Westen trat das Germanentum hartnäckig entgegen und warf die Slawen über die Saale zurück. Zur Befestigung dieser Grenzscheide wurden längs des Stromes deutsche Burgen errichtet.
Unter Karl dem Großen begannen dann die erbitterten Kämpfe zur Wiedergewinnung des verlorenen Landes zwischen Saale und Elbe. Seine Nachfolger setzten den blutigen Streit mit immer geringeren Erfolgen fort. Zuletzt stockten die Kämpfe ganz. Streitigkeiten unter den deutschen Stämmen und Kriege gegen andere Feinde lenkten davon ab. Nur die der slawischen überlegene deutsche Kultur stritt friedlich weiter.