Da kam König Heinrich der Erste zur Regierung. Nach Unterwerfung seiner Feinde und Einigung aller deutschen Stämme trieb nunmehr dieser tatkräftige Fürst seine Reiterscharen siegreich gegen die Slawen vor. Der Entscheidungskampf brach an, als die Daleminzier alle Streitkräfte dicht vor der Elbe zusammenzogen und in ihre feste Burg Gana bei Lommatzsch im heutigen Sachsen warfen. Nach zwanzigtägiger Belagerung wurde die Feste unter großen Opfern erstürmt. Was an wehrfähiger Mannschaft vorhanden war, mußte über die Klinge springen. Der Rest des Slawenheeres wich über den Strom zurück. Das Land bis zur Elbe war wieder deutsch!

Nun befestigte König Heinrich die Stromlinie durch Anlage starker Burgen. So entstand im Jahre 928 die Burg Meißen, benannt nach dem vorbeifließenden Bache Misni. Ihr zu Füßen erblühte der Burgflecken gleichen Namens. An die Spitze der jungen Mark setzte König Heinrich einen Markgrafen. Zudem wurde Meißen Bischofsitz. Der Dom wurde etwa dreihundert Jahre danach errichtet. Arnold von Westfalen baute später das Schloß von Grund neu auf.

Die Albrechtsburg zu Meißen wurde als eine Hochwacht des Deutschtums gegen die andrängenden Slawen gebaut. Sie erzählt die Geschichte des Landes von den entfernten Zeiten an, in denen das Bandum am Wurfspieß des deutschen Häuptlings flog, bis herein in unsere Tage, wo die weißgrüne Flagge des sächsischen Volkes auf ihren Türmen weht.


Die Maiensonne schien warm auf den Marktplatz von Meißen herab.

Am Vormittag hatte hier geschäftiges Treiben geherrscht, denn es war Markttag gewesen. Wie von alters her waren die Landleute von Zehren, Meisa und Cölln hereingekommen, um Fleisch, Geflügel, Kraut und Obst feilzubieten. Neben ihnen hatten Händler ihre Stände errichtet, auf denen allerlei ausgebreitet war: Tuchballen, Schuhe von derbem Leder, wollene Hauben und bunte Tücher. Die Hausfrauen waren von einem zum andern gegangen, um das Gewebe der wollenen Waren sorgfältig zwischen Daumen und Zeigefinger zu prüfen oder nach dem Marktpreis der Lebensmittel zu fragen. Auch die liebe Jugend hatte sich wie immer beizeiten eingestellt, das Gewirr vermehrend und den Lärm, den die Ausrufenden und Feilschenden verursachten, durch ihr Geschrei erheblich steigernd. Denn der junge Nachwuchs hat es zu allen Zeiten verstanden, sich bei mancherlei Gelegenheit unnütz zu machen.

Neue Käufer hatten die mit beladenen Körben nach Hause zurückkehrenden ersetzt, bis die Fülle der Waren allmählich arg zusammengeschmolzen war. So war der Vormittag hingegangen. Und als gegen die Mittagstunde die am Rathaus ausgesteckt gewesene rote Fahne weggenommen wurde, das Zeichen, daß für die Verkäufer das Marktrecht erloschen war, hatten diese die zurückgebliebenen Vorräte eingepackt und die Stadt zu Fuß oder zu Wagen wieder verlassen.

Jetzt war der Marktplatz menschenleer.

An einem Hause zwischen Kirche und Burggasse lehnte ein junger Mann und sah mit versonnenen Blicken den schreienden Spatzen zu, die um die verstreuten Abfälle kämpften. Der Jüngling war schlank gewachsen wie eine Haselrute, und seine feinen Glieder steckten in einem zierlich gearbeiteten Gewand von rotem, lundischem Tuch. Das edel geschnittene Gesicht von blasser Farbe war nur wenig gebräunt. Das weiche, braune Haar, das bis auf den gestickten weißen Schulterkragen sich herabkräuselte, ließ erkennen, daß der Jüngling aus einem vornehmen Geschlecht stammen mußte. Ein schwarzsamtnes Barett, auf der linken Seite mit einem kurzen Reiherstutz verziert, vervollständigte seinen Anzug.