Geschossen wurde auf zweierlei Art: mit der Armbrust nach einem aufgerichteten Vogel und mit der Büchse oder dem Haken nach einer Scheibe von dritthalb Schuh um den Nagel. Die Schützen saßen beim Schießen und mußten ohne Anlehnen mit freischwebenden Armen zielen. Wer einen Fehler schoß, wurde geneckt. Er bekam unter großem Hallo auf einem hölzernen Teller inmitten eines Nesselkranzes einen Quarkkäse und ein Glas Bier. Dazu wurde ein Tusch geblasen.
Das Hauptvergnügen für jung und alt bildeten die Lustbarkeiten. Auch bei dem diesmaligen Schützenfest gab es deren im Überfluß. Unmittelbar vor dem Fleischtor stand ein weithin sichtbares Gerüst, des Pritschmeisters Predigtstuhl. Das Amt des Pritschmeisters war ein uralter Brauch bei Volksfesten. Wer es ausübte, zog von Stadt zu Stadt, und es gab etliche, die eine Berühmtheit erlangten. Der Pritschmeister war als Hanswurst gekleidet und mußte Späße machen und komische Reden halten. Dann wieder befand er sich unter der Menge, wo er mit seiner langen Pritsche die erkorenen Opfer bearbeitete. Das mußte sich jeder gefallen lassen.
Seine Gehilfen waren Knaben in Narrentracht. Sie überfielen den Erstbesten und schleppten ihn zum Predigtstuhl. Hier eröffnete der Pritschmeister ein hochnotpeinliches Gericht, von dessen verhängten Strafen sich der Verurteilte nach Rang und Ansehen mit einem Biergeld loskaufen konnte. Dieses unaufhörliche Spiel bildete die Hauptbelustigung für jedermann.
An einer andern Stelle wurden die Kräfte im Steinstoßen versucht. Ein fünfundvierzig Pfund schwerer Stein mußte nach Stoßensrecht fortgeschleudert werden.
Dort wieder stand ein wilder Mann, dem man neun Kugeln um einen Kreuzer in den Mund warf. Unweit von ihm war ein Degenschlucker. Daneben kauerte in einem Topf ein Hahn, der bei verbundenen Augen mit Dreschflegeln getroffen werden mußte. Dudelsackpfeifer spielten dazu auf. Auch ein glatter Kletterbaum war da und mehrere Kegelbahnen. Wer sein Glück versuchen wollte, griff in den Glückstopf, gefüllt mit Anweisungen auf Gewinne und mit noch mehr Nieten.
Hier galoppierten Bauernburschen an einer Puppe vorbei und warfen Bälle danach. Am Abhang zur Triebisch stand eine junge, ungezähmte Kuh, die den Hügel hinabgepeitscht wurde und mit fettigen Handschuhen zurückgehalten werden mußte.
Auch ein alter Landsknecht wartete mit seinen Darbietungen auf. Er mochte sich viele Jahre seines Lebens und für manchen deutschen Potentaten herumgeschlagen haben. Zuletzt war er Fähnrich gewesen und verstand sich meisterlich aufs Fahnenspiel. Mit dem weiß-grünen Tuch am langen Stock führte er Ober- und Unterhiebe, Paraden und Stockaden und zeigte das Rosenbrechen. Dann drehte er die Fahne im Zirkelschwung um das Haupt und warf sie in die Höhe, um bis zum Auffangen ein Pistol abzuschießen. Endlich schlang er das Fahnentuch malerisch um sich und machte seine Reverenz, indem er beide Knie beugte. Dazu spielte sein zahnloses Weib auf einer Mundharmonika den Burgundermarsch.
Zwischen zwei Bäumen hatte ein verwegener Seilfahrer sein Seil aufgespannt, auf dem er vom Jüdentor bis zum Fleischtor lief.
Ferner wurde ein kluger Hund gezeigt, der einen Luftsprung machte, wenn einer sein Liebchen nannte, der aber heulte, wenn man den türkischen Kaiser nannte. Zuletzt hing ihm sein Herr ein Hütlein an die Pfote und schickte ihn auf den Hinterbeinen zu den Zuschauern um einen Zehrpfennig, dieweilen er noch eine große Reise vorhabe.