Die Ratsherren saßen an einer Ehrentafel im Schützenzelt. Auf der Wiese drängte sich die Menge, lachend, schreiend, schwitzend.

Alle Stände waren vertreten. Natürlich kam auch der alte Unfriede zwischen Adel und Bürgertum wieder zum Vorschein. Als Vertreter dieser beiden Klassen fühlten sich Handwerksgesellen mit losem Mundwerk und Landsknechte berufen. Das waren sonnverbrannte, starkknochige Männer mit kühnem Antlitz und scharfer Wehr. Zwar waren sie gerade keine Tugendspiegel, aber treu und verläßlich. Jeder einzelne hätte sich bei rittermäßiger Veranlassung für seinen Herrn ohne Bedenken totschlagen lassen.

Da flogen die Sticheleien herüber und hinüber; Handwerksgesellen und Bauern bildeten eine Partei.

»Eisenbeißer,« höhnten sie die Landsknechte, »Hahnenreißer, Bärenstecher, stolze Federhansen!«

Und »Heringsnasen«, gaben die zurück, »Krippenreiter, Wurstreiter, Pfeffersäcke, Misthammel!«

»Haha, haha,« lachte ein junger Gesell. »Als unlängst der Teufel ein paar Krippenreiter fortschaffen wollte, riß ihm in der Luft der Sack. Da hat er den ganzen Plunder an der nächsten Ecke ausgeschüttet.«

Hier verlor einer der Gefoppten die Geduld und stürzte dem Lachenden seinen frisch gefüllten Becher Lautertrank ins Gesicht. Aber der Begossene lachte nur noch ärger. Da guckte der alte Landsknecht betrübt in den leeren Becher, doch war es nun einmal geschehen.

Dicht daneben spielte der Stadtpfeifer mit seinen Gesellen auf. Der grüne Wiesenplan war der Tanzplatz. Mit sicherem Griff packte der Bursche sein Mädchen um die Hüfte und riß die vor Lust Kreischende im Wirbel herum. Wange war an Wange gepreßt, und die Schweißperlen auf ihren Stirnen flossen ineinander. So drehte man sich, so lange der Atem reichte.

Heiahei und hei! Wie flog da Mantel, Rock und Gugelhut!

Unter den Festteilnehmern befand sich auch Sonnhild. Zwar wäre sie am liebsten zu Hause geblieben, sich ihren Träumereien überlassend. Aber die alte Hanne hatte zum Gehen gemahnt, da das Mädchen andernfalls den Vater betrüben würde.