Einsilbig stand sie unter ihren Freundinnen und betrachtete mit gezwungenem Lächeln die Lustbarkeiten. Das golden leuchtende Haar war mit einem Schappel von kostbaren Bändern geschmückt, und das enganschließende, weiße Kleid mit roter Schärpe und ebensolchen Schleifen hob den jugendfrischen Eindruck ihrer zarten Gestalt. Aber die rosigen Wangen waren bleich geworden, und die großen, traurigen Augen gaben dem lieblichen Gesicht einen rührenden Ausdruck.

Ein Spielmann fesselte für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit. Er trug die Fiedel samt Bogen an einem Bande auf dem Rücken und übte die Kunst des Wahrsagens aus den Linien der Hand.

Seine Prophezeiungen wurden viel begehrt, besonders von den jungen Mädchen. Mit heißen Wangen stellten sie die um einen Kreuzer erlaubten drei Fragen, die fast immer den noch unbekannten Zukünftigen betrafen. Wie alt er sei, wollten sie wissen, ob schön, blond oder braun, wie gewachsen, welchen Zeichens sein Handwerk wäre, ob er ein guter Junge sei, oder ob er gar tränke und später sein Weib prügele. Alles dies interessierte.

Der Prophet war mundgewandt und verstand es, nicht zu viel des Guten, aber auch nicht zu wenig zu sagen, fast immer aber die Wißbegierde der jungen Dinger zu befriedigen.

Sonnhild war aufmerksam geworden und hörte eine Weile den Fragen und Antworten zu. Sie verspürte den brennenden Wunsch, sich ebenfalls die Zukunft entschleiern zu lassen. Schon hielt sie ihre Hand hin, als die Scham das Begehren überwand und sie sich abkehrte.

Teilnahmlos ging sie durch die Menge, vor dieser und jener Darbietung kurze Zeit stehen bleibend. So hatte sie allmählich das Ende des Festplatzes erreicht, wo sich nur wenig Menschen befanden.

Hier blieb sie stehen und sah gedankenschwer einem Trupp weißer Federwolken nach, die in dem blauen Luftmeer pfeilschnell hoch über ihrem Haupte dahinzogen, nach Westen zu. Wenn sie mit ihnen ziehen könnte! Nur einen Gruß möchte sie diesen flüchtigen Reisenden mitgeben können, die des Raumes sieghaft spotteten.

Da vernahm sie, wie von hinterher jemand zu ihr sprach. Und als sie sich umwandte, stand der Bursche vor ihr, der den Mädchen wahrgesagt hatte.