Zwei Tage später, morgens gegen 3 Uhr, stand Marguérite vor dem Weißen Hause. Sie betrachtete die freundliche Villa ein Weilchen und holte Athem, dann öffnete sie die Hausthür und stieg die Treppe hinauf. Im Flur sah sie niemanden. Sie klopfte an eine Thüre, keine Antwort. Nun öffnete sie. Es war ein Schlafzimmer, das wohl erst vor kurzem verlassen worden. Das Bett war noch nicht in Ordnung, die Luft nicht die beste. Sie blieb eine kurze Zeit zwischen Thür und Angel stehen, dann trat sie rasch entschlossen ein. Eine Thüre, die geschlossen war, führte wohl in die andern Zimmer. Sie hörte auf- und abgehende Schritte und verworrenes Brummen. Das mußte er sein. Sie stellte die Reisetasche auf den Tisch und legte den Hut ab. Dann goß sie aus dem Kruge etwas Wasser über ihre Hände und benetzte ihre Augen und ihr Haar. Nachdem sie sich abgetrocknet hatte, blieb sie noch eine Zeitlang stehen, die Hände auf die Brust gelegt und schwer atmend. Dann ging sie leise zur Verbindungsthür und krümmte den Zeigefinger um anzuklopfen. Rechtzeitig aber noch ließ sie die Hand sinken und schüttelte den Kopf. »Das wäre nichts,« flüsterte sie leise. Dann öffnete sie beherzt die Thüre. Sie blieb stehen und hielt den Athem an. Am Fenster gegenüber, das geöffnet war, stand ein Mann, ihr den Rücken zukehrend, in Hemdärmeln. Seine Augen blickten wohl ins Thal hinunter, währenddem aber waren seine Hände angestrengt bemüht, einen Kragen, der ihm vermutlich viel zu eng war, anzulegen. Sie hörte wieder das brummende Ächzen. Um ihre Mundwinkel zuckte es leicht. Auf einmal aber ließ seine Hand den Kragen los, er stampfte heftig mit dem Fuß auf und schlug sich mit der Faust an die Stirn. Dabei rief er laut:

»Herrgott Donnerwetter, der Kerl macht mich noch verrückt!«

Da konnte Marguérite nicht mehr. Sie lachte laut auf.

Starkblom zuckte heftig zusammen und drehte sich rasch um.

»Wie – was – wer sind Sie denn? was wollen Sie? wie kommen Sie denn hierher?«

»Davon nachher. Vielleicht erlauben Sie, daß ich Ihnen zuerst helfe den Kragen schließen?«

Starkblom blickte sie mißtrauisch an.

»Aber entschuldigen Sie, wie kommen Sie denn hierher? Wo haben Sie denn Ihren Hut?«

»Den habe ich im Nebenzimmer abgelegt. Ich sah niemanden und trat deswegen gerade herein. Ich komme von weit her, um mit Ihnen ein vernünftiges Wort zu sprechen. Erlauben Sie jetzt –?«

Starkbloms Miene heiterte sich auf. Er lächelte.