»Aber ich bitte Sie … aber Frau Marguérite … aber mißachten … was fällt Ihnen ein? Sie scheinen ja eine … vorzügliche Frau. Ich begreife Sie, wenn ich auch nicht weiß, wie Sie dazu kommen. Wollen Sie mir nicht etwas erzählen – von Ihrem Leben?«

Marguérite setzte sich wieder aufs Sopha und strich langsam mit beiden Händen über ihr dunkles Kleid. Er blieb vor ihr stehen, indem er sich mit gekreuzten Beinen an den Tisch lehnte und sie anschaute.

»Ach, da ist nicht viel zu erzählen. Ich bin das Kind reicher Bauern. Dann kam ich früh zur Erziehung in ein Kloster nach Frankreich. Dort riß ich aus – mit – nun, es ist gleichgiltig. Die Sache ist längst vorbei. Aber ich kam durch ihn damals schon in eine Gesellschaft freier Menschen, Männer und Frauen, hauptsächlich Russen und Polen. Seitdem habe ich sehr viel gelesen, auch einiges mitgemacht. Ich – nun ich bin eben frei geworden durch all’ das.«

»Soso. Schön, sehr schön. Was verstehen Sie denn darunter: frei geworden?«

»Nun, ich meine, Sie müßten das doch auch kennen. Ich habe wenig Vorurteile, verstehe viele, auch verschieden geartete Menschen, kann mich in vieles hineinfinden und folge im übrigen meiner Natur, wie sie nun einmal ist, geworden ist durch diese und jene Umstände der Vergangenheit und Umgebung. Das nenne ich vor allem frei, daß man sich nicht schämt, täglich tausend Dinge zu thun, die der Verstand nicht erklären noch billigen kann. Zum Beispiel auch, zu leben und glücklich zu sein. Ohne einen Vernunftgrund dafür angeben zu können.«

In Kürze etwa: »Sie sind ein Philister ohne Vorurteile?«

»Jawohl, jawohl,« antwortete sie lebhaft. »Das acceptire ich. Man muß ein Philister sein, aber ein idealer. Man kann nicht leben ohne das. – Und man will leben«, fügte sie noch mit Bestimmtheit hinzu.

»Und ich sage: man will nicht«, rief Starkblom mit Entschiedenheit und schlug auf den Tisch.

»Nun gut: sterben Sie.«

»Ich meine; man sollte nicht wollen.«