Meine Herren! Sie sollten nicht sowohl die Verbrecher verurteilen, als die Ursachen der Verbrecher vertilgen.

Es wird immer Verbrecher geben; heute vertilgen Sie einen, morgen werden zehn neue geboren. Was ist da zu machen? Das Elend abzuschaffen, diesen Keim des Verbrechens. Und wie leicht ist das zu realisieren! Es genügt, die Gesellschaft auf einer neuen Basis aufzubauen, wo Alles Gemeingut ist, und worin Jeder, indem er nach seinen Anlagen und Kräften produziert, nach seinen Bedürfnissen konsumiert.

Dann würde man weder Leute antreffen, wie der Einsiedler von »Notre-Dame-de-Grace«, noch solche, welche betteln gehen um eine Münze, dessen Sklave und Opfer sie gleichzeitig werden! Man würde keine Frauen mehr finden, welche ihre Körper verkaufen und keine Männer mehr wie Pranzini, Prado, Berland, Anastay und Andere, welche um dieser Münze willen Mörder geworden sind! Das beweist sonnenklar, daß die Ursache aller Verbrechen immer die nämliche ist und daß man wirklich wahnsinnig sein muß, dieses nicht einzusehen.

Ich bin nur ein einfacher Arbeiter ohne Bildung; aber weil ich das Leben und die Existenz des Elends miterlebt, fühle ich die Ungerechtigkeit Eurer repressiven Gesetze weit besser, als ein reicher Bourgeois.

Woher nehmen Sie sich das Recht, einen Mann zu töten oder einzusperren, welcher, auf die Welt gesetzt mit dem Bedürfnis, zu leben, sich in die Notwendigkeit versetzt sah, zu nehmen, was ihm fehlte, um sich zu ernähren?

Ich habe gearbeitet, um zu leben und um den Meinigen zum Leben zu geben, und so lange, wie ich und die Meinigen nicht über das Maß gelitten haben, bin ich geblieben, was Sie »ehrlich« nennen. Dann ging die Arbeit aus und mit der Arbeitslosigkeit kam der Hunger. Da erst hat sich das Naturgesetz geltend gemacht, diese imperative Stimme, welche keine Replik duldet; der Instinkt der Selbsterhaltung trieb mich dazu, etliche von den Verbrechen zu begehen, deren Sie mich anklagen und deren ich mich schuldig bekenne.

Richten Sie mich, meine Herren Geschworenen; wenn Sie mich aber verstanden haben, indem Sie mich verurteilen, richten Sie alle Unglücklichen, welche das Elend, alliirt mit dem natürlichen Stolze, zu Verbrechern machte und welche mit einem glücklichen Auskommen ehrliche Leute geblieben wären! Ich wünsche, daß Sie, die Sie mich zum Tode verurteilen werden, daß Andenken an diesen Spruch so leicht tragen möchten, wie ich meinen Kopf unter das Messer der Guillotine legen werde!«

Eine Weile waren alle drei stumm. Hans nagte an seiner Unterlippe, Karl blickte mit weiten Augen ins Leere. Marguérite weinte, und sie war die erste, die wieder sprach. Sie trat auf Hans zu und streckte ihm die Hand hin. Dazu sagte sie voll warmen Gefühls nur das eine Wort:

»Hans!«

Er berührte flüchtig ihre Hand und ließ sie gleich wieder los.