Wünscht der Arbeitslose, um Arbeit zu erhalten, nicht, daß der beschäftigte Arbeiter aus irgend einem Grunde entlassen wird? Nun gut; in einer Gesellschaft, wo solche Dinge vorkommen, hat man sich nicht zu verwundern über Thaten wie die, deren man mich beschuldigt.
Da es nun so bestellt ist, so habe ich, wenn der Hunger an mich herantritt, nicht zu zögern, diejenigen Mittel anzuwenden, welche zu meiner Verfügung stehen, selbst auf die Gefahr hin, Opfer zu hinterlassen. Bekümmern sich etwa die Arbeitgeber darum, wenn sie Arbeiter entlassen, ob dieselben vor Hunger sterben? Alle Diejenigen, welche im Überfluß schwelgen, bekümmern sich diese um die Menschen, welchen die notwendigsten Nahrungsmittel fehlen?
Es giebt ja einige Leute, welche Unterstützungen verabfolgen, aber sie sind ohnmächtig, um den Millionen, die im bittersten Elend leben und nicht selten ihrem Leben freiwillig ein Ende machen, zu helfen.
Ja, die Opfer dieser Gesellschaft sind zahllos. So hat die Familie Hayem und die Frau Sonheim gehandelt, welche ihre Kinder ermordete, da sie es nicht länger mit ansehen konnte, wie sie vor Hunger litten und so handeln alle Frauen, welche, in der Furcht, daß sie ihr Kind nicht ernähren könnten, lieber ihre Gesundheit und ihr Leben in Gefahr bringen, indem sie die Frucht der Liebe frühzeitig töten.
Und alles dieses passiert inmitten des Überflusses! In Frankreich, wo alles in Hülle und Fülle vorhanden ist, wo die Metzgerläden mit Fleisch, die Bäckerläden mit Brot überfüllt sind, wo die Kleidungsstücke, Schuhe u.s.w. in unendlichen Massen in den Magazinen aufgethürmt liegen!
Aber da kommen wieder Andere und sagen: »Das Alles ist wahr, aber unabänderlich. Sehe Jeder, wie er durchkomme.«
Das habe ich gethan. Ich wollte nicht Hungers sterben und wollte mich nicht mit dem Gedanken beruhigen, daß man mir nach meinem Tode ein paar mitleidsvolle Worte auf’s Grab wirft. Ich überließ das Anderen. Ich habe es vorgezogen, Schmuggler zu werden, dann Falschmünzer, Dieb, Mörder. Ich hätte betteln können; das ist herabwürdigend und feige, und das Betteln wird ja außerdem von Euren Gesetzen bestraft, welche aus dem Elend ein Verbrechen machen! Wenn alle Bedürftigen, anstatt abzuwarten, da nehmen würden, wo etwas ist, und zwar ganz gleich durch welches Mittel, dann würden die Gesättigten vielleicht viel schneller verstehen, daß es Gefahr in sich birgt, die heute bestehenden sozialen Verhältnisse zu verteidigen, in welchen die Ungewißheit permanent und das Leben jeden Moment bedroht ist.
Man würde wahrscheinlich viel eher einsehen, daß die Anarchisten Recht haben, wenn sie sagen, daß, um die moralische und physische Ruhe zu erhalten, es notwendig ist, die Ursachen zu zerstören, welche die Verbrechen und die Verbrecher erziehen.
Deshalb habe ich die Thaten vollbracht, deren man mich beschuldigt, und die nur die logische Konsequenz des barbarischen Zustandes Eurer Gesellschaft sind. Man sagt, daß man grausam sein muß, um seinen Nebenmenschen zu töten; aber diejenigen, die so reden, sehen nicht, daß man sich nur dazu versteht, um nicht selbst den Tod zu erleiden.
Sie, meine Herren Geschworenen, welche aller Wahrscheinlichkeit nach mich zum Tode verurteilen werden, handeln gerade so wie ich; Sie verurteilen mich, weil Sie glauben, daß es eine Notwendigkeit ist. Sie schaudern, wenn Sie von einem Mord hören; aber Sie zögern keinen Augenblick, zu morden, wenn Sie bedenken, daß der Mord zu Ihrer Sicherheit erforderlich ist. Der einzige Unterschied, der zwischen uns besteht, ist der, daß Sie ohne persönliche Gefahr morden, während ich meine Freiheit und mein Leben dabei auf’s Spiel setzte.