Sie sahen ihn erstaunt an.

»Nu ja – das hätte doch einen ganz eigenen Reiz. Nicht? Die Welt denkt an dies und das, aber auf so was ist kein Mensch gefaßt. Das bringt Bewegung in den Ameisenhaufen, und wenn der Thäter ruhig zusehen könnte – es müßte ein kurioses Vergnügen sein.«

»Weiteren Zweck würdest du keinen damit verfolgen?«

»Zweck? Mensch, wie weit sind Sie eigentlich in der Kultur zurückgeblieben? Hinter Ihren eigenen Brochüren sind Sie ja zurückgeblieben? Oder ich habe sie nicht recht verstanden. Ich meine, die Hauptsache ist, daß man gar nicht nach Zwecken fragt, sondern blos nach sich selber? Ich habe nun einmal so einen Geist, dem so was Vergnügen macht. Warum sollt’ ich’s nicht thun? Vielleicht thue ich’s auch nicht, vielleicht werde ich hundert Jahre alt und habe das nicht gethan, was mir am meisten entsprochen hätte, aber eine Schande wär’s dann. Jedenfalls!«

»Das alles liegt mir sehr nahe,« sagte Starkblom düster. »Einen Moment war ich vielleicht auch da, aber ich kann nicht, ich kann nicht. Und jetzt schon gar nicht mehr. Ich kann nicht mehr blos verneinen. Ich muß etwas haben, wofür ich mich erwärme. – Ist das die Stimmung der Anarchisten? Denken Sie eben so?«

»O nein,« fiel Marguérite rasch ein. »Durchaus nicht. Sie wollen etwas. Ihr Treiben hat einen Sinn. Sie sind durchaus nicht ohne Wärme. Durchaus nicht ohne Natur.«

»Also immer noch?« fragte Hans bitter. »Deine alte Liebe? Nun, sie sind nicht ganz ohne, und so sind sie, wie du sie schilderst. Hitzige und unklare Menschen. Ich habe die Verteidigungsrede des einen bei mir, den sie jetzt »hingerichtet« haben. Ihr kennt sie jedenfalls noch nicht. Ich muß sagen – nun eben, ein Fisch bin ich auch nicht, und die Worte des Mannes haben mich ins Mark hinein erschüttert. Soll ich sie euch vorlesen?«

»Ich bitte darum,« rief Karl lebhaft und gleichzeitig rief Marguérite: »Ja, ja! Ich kenne den Mann nur aus Schilderungen, aber er war ein Mensch!«

»Ja, das war er,« sprach Hans feierlicher, als er selbst es an sich gewohnt war. Dann suchte er in seiner Brusttasche unter allerlei Papieren, bis er ein halb zerfetztes, auf schlechtem Papier gedrucktes Zeitungsblatt hervorholte. Dann las er.

»Wenn ich das Wort ergreife, so geschieht dies nicht, um mich zu verteidigen gegen die Thaten, welcher man mich beschuldigt; denn nur die Gesellschaft allein, welche durch ihre fehlerhafte Organisation die Menschen zum fortwährenden Kampfe des Einen gegen den Anderen zwingt, ist verantwortlich dafür. Sieht man heute nicht in allen Klassen Menschen, welche ihren Mitmenschen, ich sage nicht den Tod, das klingt zu schlecht, aber ein Unglück wünschen, wenn solches ihnen einen persönlichen Vorteil bringen kann? Zum Beispiel: Hegt der Geschäftsmann nicht den Wunsch, sein Konkurrent möchte verschwinden?