»Seit wann hast du denn das zu deinem Lebensberuf gemacht?«
»Wie?«
»Ich meine, seit wann du die Welt mit deinen Schmuckwaaren beglückst?«
»Erlaube, das ist nun eigentlich nicht ganz richtig ausgedrückt. Ich fabricire nicht eigentlich Schmuckgegenstände; – ich weiß nicht, hast du eigentlich die Entwicklung unserer Industrie genauer verfolgt? Sie hat einen riesigen Aufschwung genommen. Wenn du die Sache nicht studirt hast, kann ich dir’s nicht in Kürze erklären. Die Sache ist die, daß wir nur eine bestimmte Art Gold herstellen, wie es die Schmuckfabriken zu weiterer Verarbeitung gebrauchen. Es ist da eine kolossale Arbeitsteilung eingetreten; der ganze Verarbeitungsproceß hat sich mechanisirt; überhaupt, wenn ich einmal Zeit finde, mich theoretischer Betrachtung hinzugeben, die Entwicklung der modernen Industrie zu betrachten, werde ich nicht müde. Das ist etwas herrliches; einfach großartig! Wie alles sich zum Ganzen webt, eins in dem andern –«
Starkblom unterbrach ihn durch ein feines, spöttisches Lächeln.
»O, du solltest nicht lächeln, daß ich Poesie citire. Ich bin freilich ein Geschäftsmann, habe wenig Zeit, aber man steht doch sozusagen immer noch unter dem Bann seiner Jugendduselei, und wenn ich Zeit hätte, ich würde wahrhaftig heute noch manchmal etwas von Goethe und Schiller lesen.«
»Ins Theater gehst du aber doch öfter?«
»Ins Theater? Ja freilich, ja freilich. Das heißt – meine Frau ist abonnirt, und wenn sie gerade keine Zeit hat oder auch keine Lust – du verstehst –«
»Jawohl, jawohl. Nun, da wird wohl Goethe und Schiller öfters an dich kommen?«
»Du meinst, meine Frau? – Ja allerdings. Aber doch nicht. Da gehen die Kinder herein. Klassische Stücke sind für die Kinder. Meinst du nicht auch?«