Flavius, der untergeordnete Angestellte, wird hier — trotz der Erkenntnis, die Timon zu Wort gebracht hat, daß auch der Arme nichts taugt — den unabhängigen Reichen so als besserer Mensch gegenübergestellt, wie die Diebe den Besitzern. Aber schon vorher konnten wir in der Dienerszene sehen, wie diese armen Domestiken alle treu und liebevoll zu Timon und zu einander hielten; wie sie fortwährend die liebreiche Anrede fellow, Kamerad, untereinander austauschten; und Flavius, der sein Letztes unter ihnen geteilt hat, gründet unter ihnen eine Art Timon-Orden:
Wo wir uns wiedersehn, laßt Timons halber
Uns Kameraden sein.
Auch das greift indessen nicht weiter in die Handlung ein: innerlich ist diesem Stück keine Entwicklung vergönnt. Äußerlich freilich, rhetorisch wieder, ist es ein famoser, glänzender Komödien-, noch besser gesagt, Anekdotenschluß, wie nun in der Reihe der Gäste die Senatoren kommen, um schamlos oder patriotisch in der Not des Vaterlandes den, der voll Ekel vor ihnen geflohen ist, gegen Alkibiades und sein Heer zu Hilfe zu rufen, wie er sie in langer Ironie täuscht und hinhält und ihnen ein Mittel, ein unfehlbares, verspricht, durch das sie aller Gefahr entrinnen können:
Es wächst ein Baum in meinem Waldbezirk,
Den nächstens ich zu eigenem Gebrauch
Umhauen muß. Sagt’s meinen Freunden an,
Sagt’s in Athen, in jeder Abstufung
Vom ersten bis zum letzten: Wer da wünscht,
Sein Leid zu enden, solcher komme spornstreichs