Einer aus dem Herrengeschlecht und der Kriegerkaste also ist der Mann, der Coriolan heißen wird; er hat die Eigenschaften, um derentwillen er sich und seinesgleichen als Geschlecht der Regierenden berufen fühlt, die typischen Eigenschaften, die ihn zum Führenden bestimmen; dazu aber noch die besonderen, die ihn zum tragischen Sturze bringen.

Die Bürger und Volkstribunen, die von ihm reden, haben die Allgemeinempfindung, daß er ihnen unerträglich zur Last sei; „er hat der Fehler mehr als zuviel“, ruft einer, als man ihn auffordert, sie zu nennen; er weiß ihrer keinen als immer den einen: Stolz. Das merkt jeder gleich: stolz über die Maßen ist dieser Mann. Ja, das ist er; aber er hat auch die nötige Ergänzung: einen Stolz, der kein Lob hören kann, der bescheiden ist; denn den Stolz und seinen Grund hält Coriolan für Eigenschaften jedes echten Menschen; eine Sprödigkeit hat er, die mädchenhaft ist wie die Cordelias, der Adelstochter.

Und ein andrer Bürger, der ihm wohlgesinnt ist, erwidert ein nachdenkliches Wort:

Was ihm nun einmal so im Blut liegt, daraus macht ihr ihm ein Laster.

What he cannot help in his nature...: er ist nichts Nachträgliches, nichts Aufgeklebtes, dieser Stolz, ist kein Zierat: er kann’s nicht ändern, es ist so seine Natur: seine Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit. Er ist, wie er öfter von Freunden und Bewunderern angeredet wird, „ein edles Blut“.

Im Krieg, der in der Zeit des Rittertums, in der wir hier stehen, ein anderes Ding war, als was sich heute in der Zeit der Technik so nennt, zeigt sich sein Adel besonders. Er kann befehlen und Menschen in Mengen in Kampf und Tod treiben, er kann die Plebejer als feige Memmen verachten, weil er selbst jeden Augenblick, von nichts getrieben als von seiner Tapferkeit, die ihm Natur ist, bereit ist, das Leben fürs Vaterland zu wagen.

Allein, ohne daß die Truppen ihm folgen, und ohne daß er fragt, ob sie ihm folgen, dringt er den Feinden nach in die Festung Corioli; das Tor wird hinter ihm geschlossen, aber er, allein unter Feinden, schlägt sich durch und hält sich, bis die andern nachkommen. Und er ist kein homerischer Held, an dessen Seite unsichtbar oder sichtbar in der größten Gefahr die Götter kämpfen; kein Siegfried, der von Drachenblut eine unverwundbare Hornhaut hat; es geht alles ganz menschlich zu: er ist ein Held von Natur, der die Kultur und die Gesinnung seiner Natur hat. Wenn er nicht von Zorn und Heftigkeit, die seine Erbfehler sind, übermannt ist, hat er etwas sehr angenehm Urbanes an sich; sein Heldentum hat gar nichts ländlich Ungeschlachtes, Raufboldiges, sein Kämpfen steht immer mit seiner Gesinnung in Verbindung; immer lebt die Urbs, die Stadt Rom in ihm.

Wie er dann seine Soldaten in kurzer, feuriger Ansprache auffordert, ihm in den Kampf zu folgen, da faßt er wohlgesetzt zusammen, was sein ritterliches Wesen ausmacht. Der soll ihm folgen,

der glaubt,