Ein edler Tod wieg’ auf ein ruhmlos Leben
Und höher hält sein Vaterland als sich.
Man fürchtet wohl manchmal, solche Gesinnung der Todbereitschaft, der völligen Unterordnung der Person unter ein überindividuelles Gebilde, unter eine Zusammenraffung, einen schimmernden Namen wie die Nation, raube dem Menschen die Individualität und mache ihn zu einem bloßen Teilchen. Mag sein, daß die Zeiten sich geändert haben: noch wahrscheinlicher, daß es Ausnahmemenschen und Dutzendmenschen allezeit gegeben hat und daß man gar wohl zwischen dem inneren Zwang, der Freiheit ist, Freiheit nicht nur der eigenen Entscheidung, sondern auch des Denkens, und jener kläglichen Unterordnung unter eine von Jugend auf eingetrichterte Losung unterscheiden muß, die mit Unfähigkeit zu eigenem Denken und eigener Entscheidung und mit Unkenntnis der Tatsachen, mit abergläubischer Geducktheit und dem Schlendrian des unabänderlichen Heute wie immer in genauer Verbindung steht. Coriolan jedenfalls zieht seine tapfere Todesverachtung im Gegenteil aus seinem stolzen, eifersüchtigen Individualismus. Ganz wirft er, wenn’s sein soll, das Leben hin, gerade weil er, solange er lebt, auf seine Selbständigkeit und Eigenheit bedacht ist, so sehr, daß er einen Zug seines Wesens bezeichnet, wenn er einmal ausruft:
Ich wäre lieber Knecht nach meiner Art
Als Herr mit ihnen nach der ihren.
Aufgerufen sein, frei über sein Leben zu verfügen, kann nur der Freie. Aber das ist ein sehr kompliziertes Verhältnis, diese Beziehung des Individuums zur Gemeinschaft, wo man dem Ganzen nur richtig dient, wenn man ganz ein eigenes Selbst, wenn man ein Ganzer ist; und wo man wiederum ein Eigener nur ist, wenn man ganz in der Sache aufgeht, unverbrüchlich sachlich ist; und sachlich heißt: hingegeben bis zur Vernichtung.
Coriolan weiß das, weiß, daß durch ihn hindurch die Sache wirkt; daß sie aber den Weg durch ihn nur recht nimmt, wenn er zusammengerafft, abgesondert, stolz er selbst ist; ist aber dann die Tat, die die Sache gewollt und durch ihn getan hat, vorbei, will der Gedanke, das Wort, die Lobrede sie an ihn, der das erkorene Werkzeug war, ankleben, dann empfindet er das, als nehme man ihn nicht für voll, als halte man es doch für eine Art Zufall, was er getan und was er am Ende auch hätte lassen können; als rühre man seine tiefe Verbundenheit mit der Sache auseinander; er wird rot, er läuft weg:
Eh’r lass’ ich mir den Kopf kraun an der Sonne,
Wenn man zum Angriff bläst, als müßig hören,