Er aber — seine Mutter sagt es, die ihn am besten kennt, weil sie ihm am meisten gleicht —, er will und muß die soldatisch kriegerischen Tugenden auch auf die Dinge des Friedens, der Politik übertragen; er ist immer geradeheraus, offen, rücksichtslos:

Sein Wesen ist zu edel für die Welt,

meint der alte Menenius,

Sein Herz ist auch sein Mund,

Was seine Brust denkt, sagt die Zung’ heraus,

Und aufgebracht vergißt er, daß er je

Den Namen Tod gehört.

Im Kampf ist er sofort der Führer, weil er eben der Vorderste ist; er ist von Natur der Fürst, wie eins die erste Zahl ist, aus der sich alle andern kumulieren; und wie der First das Oberste vom Haus ist, weil er nicht drunten sein kann, so ist er der Oberst, wenn’s auf tapfre Tat ankommt; er denkt gar nicht daran, ob man ihn auch formell zum Feldherrn ernannt hat. So hat er im Krieg gegen die Volsker seine Vorgesetzten und ehrt sie; wo’s aber das Einsetzen der Person gilt, da ist er der erste, gleichviel, welchen Titel er führt und wo er zu Anfang stand.

Daß das aber so ist, daß die andern, die zu ihm gehören und seinesgleichen sein sollten, es nicht sind, das weiß er wohl; er kann es nicht übersehen; sachlich ist er bescheiden, unsachlich wüßte er nicht, warum, und zeigt den ungescheutesten Stolz und Anspruch. Er weiß, daß er der Edelste in Rom ist; er ist der echte Vertreter des jetzt bedrohten Adels, er ist der berufene Führer der Gemeinschaft. Gar keinen unedeln, persönlichen Trieb hat er, wenn er in großartiger Haltung und Selbstverständlichkeit sich seiner Aufgabe nicht entziehen und also Consul der Republik werden will.

Und da fängt er an, sich selbst untreu zu werden, sich gegen seine Natur zu vergehen. Die Situation ist so, daß seine Natur die Stellung, die sie zu ihrem Wirken in der Welt braucht, nur erlangen kann, wenn sie nicht ist, was sie ist. Für ihn, der keine Anpassung, keine Klugheit und Berechnung kennt, gibt es den Grundsatz nicht: Der Zweck heiligt die Mittel. Womit gesagt ist: er ist kein Politiker, wie es sein alter Freund Menenius Agrippa, wie es auch seine starkgeistige Mutter Volumnia ist, die es in einer andern Mischung der Gaben vermag, hoheitsvoll und doch klug zu sein.