Wie viele solcher dickleibigen Werke gibt es, in einem oder zwei Bänden, die alle so aussehen:

Eine Schilderung der Zeit — Beschreibung der Lage Stratfords — des Lebens in solchen Städten — sehr Ausführliches über die damaligen Theaterverhältnisse — eine Abhandlung über den Modestil des Euphuismus — ausführliche Analysen sämtlicher Stücke Shakespeares — und zwischenhinein gestreut die meist gänzlich unwichtigen zufälligen Dokumente, die sich auf Shakespeare und seine Familie beziehen, ein paar dürre Nachrichten, und Vermutungen über Vermutungen, Behauptungen über Behauptungen!

Überall aber geht es so zu, wie es naiv genug einer der Biographen in seinem Vorwort bekennt:

„Manche Behauptung stützt sich mehr auf Vermutung und Kombination als auf sicheren Beweis. Ich habe solche Angaben mit allem Vorbehalt gemacht, aber die Natur des Werkes bringt es mit sich, daß auf diesen nicht ganz zuverlässigen Steinen später weitergebaut werden mußte.“

Ein paar Beispiele für dieses Verfahren, aus einem der kürzesten, tatsächlichsten dieser Art Bücher, das von Dowden verfaßt ist:

„Shakespeare wurde sicherlich in die Stratforder Lateinfreischule geschickt.“ Das heißt: man weiß gar nichts davon. — Der nächste Satz: „Dort lernte er nicht bloß Englisch, sondern auch etwas Latein und vielleicht ein klein wenig Griechisch.“ Ein paar Sätze weiter: „Daß er seine lateinische Grammatik auswendig konnte, kann fast mit Sicherheit angenommen werden.“

So geht es durchweg: Schauspieler waren in Stratford — der Vater mag den kleinen William mitgenommen haben; ein Fest in Kenilworth: „der Vater dürfte mit dem vor ihm auf dem Sattel sitzenden Buben hinüber geritten sein.“

Aus der Schule, von der wir bloß nicht wissen, ob er je drin war, mußte Shakespeare sehr wahrscheinlich wegen des Vermögensverfalls herausgenommen werden, der indessen auch nicht feststeht.

Wenn wir schon Tatsachen dichten wollen, was bindet uns denn z. B. an die armselige Lateinfreischule? Kann denn nicht ein gelehrter Pfarrer oder Gutsherr oder ein Mönch wie Pater Lorenzo, oder mehrere der Art hintereinander sich des Wunderkindes, des genialen Jünglings angenommen und ihn zu Büchern geleitet haben?

Und so durchweg, das ganze Leben hindurch!