William Shakespeare wollte ich im ersten dieser Vorträge weniger in seine Zeit hineinstellen, als in seiner fast schreckhaft-starken Vereinzelung von seiner Zeit abheben; siebzehnmal habe ich dann in seine Werke geführt, und in Liebestragödien, in Liebesspielen, in Machthabertragödien haben wir seine Persönlichkeit gefunden, nie einseitig in einer Gestalt ausgeprägt, vielmehr immer allseitig, immer beidseitig, immer das Tier und die Hoheit, den Trieb und die Vernunft, den Mann der Gier und die adlige Frau, und das verderbliche Weib und den seelenvollen Mann, alle in ihrem Recht, der Ritterkönig und Falstaff, der herrliche Hektor und der gemein zausende, geifernd kritische Thersites; nie einer ein Typus bloß, immer ein einmaliger, ganz individueller Vertreter dieses Typischen.

Im 19. der Vorträge habe ich Sie dann von den Werken, von der Sonettendichtung zur Person Shakespeare, heute aber schnell und fast scheu von der Person zurück den Weg zur Persönlichkeit führen wollen, wie sie sich in den Dichtungen offenbart.

Ich für meine Person habe es in diesen Vorträgen wohl nicht immer vermieden, persönlich zu sein; und der furchtbare und für die Menschheit vielleicht entscheidend wichtige Zeitabschnitt, in dem wir stehen, hat, ich fühle es selbst, auf meine Art, Shakespeare zu sehen, bestimmend eingewirkt. Der Weg vom Trieb zum Geist hinauf, Shakespeares schwerer und gefahrvoller Weg ist auch der Weg vom Krieg zum Frieden, vom Tod zum Leben, — ich glaube es, gleichviel, wie lang und gewunden dieser Weg noch sein mag.

Ende