Als habe Ehrlichkeit sein Tun gelenkt,

Bis er sein Aug’ auf mich warf. Ist dem so,

Laßt ihn nicht sterben. Claudio starb nach Recht,

Sofern er wirklich tat, wofür er starb.

Doch Angelo — —

Sein Tun kam nach ja nicht der bösen Absicht

Und soll begraben sein als bloße Absicht,

Die nicht ans Ziel gelangt. Denken ist frei,

Und Absicht bloßes Denken.

Wie sieht man da voller Lust, Lust des Herzens wie auch des unbeschwert spielenden, rasch sich bewegenden, Ernstes bedenkenden Geistes: auch die Milde hat ihren scharfen Juristenverstand, — und wer weiß, ob diese Porzia-ähnliche Gestalt, diese Isabella, die vor unsern Augen so gewachsen und gereift und aus klösterlicher Enge zu Menschenweite und freiem Sinn sich erhoben hat, ob sie, die der reifsten Stufe des Dichters zugehört, nicht auch Shylock, dessen Untat ja auch beim Versuch geblieben ist, Gnade, volle erlösende Gnade erwiesen hätte?