Angelo aber, der jetzt zum ersten Mal ganz und fest in seinem Adel steht — wie vielfältig ist der Mensch! und wie groß der Dichter, der uns die wahrhaft wundervolle Geräumigkeit im Schacht des Menscheninnern, die Wirklichkeit der Niedertracht wie der Seelengröße in diesem nämlichen Menschen erleben läßt — Angelo will den Tod erdulden:
Mich schmerzt’s, daß solche Schmerzen ich bereitet,
Und Scham durchdringt so tief mein reuig Herz,
Daß Tod mir lieber als die Gnade ist.
Verdient so hab’ ich’s, laßt’s dabei bewenden.
In diesem Augenblick kommt des Herzogs Ebenbild und Gehilfe aus dem einfachen Volk, der Kerkermeister, und bringt den vielfachen Mörder Bernardin und eine verhüllte Gestalt.
Dem Mörder, der seit neun Jahren in unverwüstlicher Lebenslust im Gefängnis sitzt, wird von diesem Herzog, der immer noch in der Tracht des Mönchs seines Amtes waltet, Leben und Freiheit geschenkt, weil er keine Todesangst und keine Höllenangst kennt:
He, Kerl, man sagt, du trägst ein störrisch Herz,
Das Furcht vor nichts hat jenseits dieser Welt,