Macbeth jedenfalls ist seit langem von keinem andern Gedanken erfüllt als diesem: König zu werden. Daran, wie lange das schon in ihm bohrt, erinnert ihn seine Frau in entscheidender Stunde. Und nun ist der Moment zugleich da und vorbei: in schwerem Kampf, wo er Wunder der Tapferkeit und Feldherrnkunst vollbracht hat, während der weiche König zugesehen hat, hat er mit Banquo zusammen den Aufruhr und den äußern Feind, den Norweger, niedergeschlagen. Der Thron hat gewankt, nun ist er befestigt: Macbeth wird reich belohnt, in Rang und Macht erhöht; aber unmittelbar nach der Schlacht, in Anwesenheit Macbeths und der andern vertrautesten Stützen des Throns, wird Malcolm vom König zum Erben des Reichs ernannt. Soll es dabei bleiben? Soll der Retter des Reichs, der so lange den Gedanken genährt, dereinst König zu sein, von Stund ab, von der Stunde seiner größten Leistung und Herrlichkeit an vom Thron ausgeschlossen sein?

Jetzt ausgeschlossen, wo seine Berufung, sein geheimer Wunsch gerade eben, im Anschluß an die Schlacht, von den Dämonen bestätigt worden ist? Wir sind dabei gewesen, wie zum ersten Mal in seinem Leben die Welt des Geheimnisses nicht von innen, sondern real von außen zu ihm gesprochen hat; und daß diese drei Schicksalsschwestern, die ihm im Gewitter auf der öden Heide sichtbar wurden, nicht Einbildungen seiner erregten Phantasie, sondern Vertreter der Geisterwelt waren, dafür ist Feldherr Banquo der Zeuge, der dabei gewesen und auch mit ihnen gesprochen hat.

„Heil dir, Macbeth, Than von Glamis! Heil dir, Macbeth, Than von Cawdor! Heil dir Macbeth, König demnächst!“ So begrüßen ihn die schrecklichen Weiber. Das erste ist er, aber noch nicht lange; das zweite scheint unmöglich, der Than von Cawdor lebt, und doch erfüllt es sich sofort aufs erstaunlichste; und das dritte? König demnächst? Die Hexen haben einmal gewußt, was noch kein Mensch wissen konnte; und nun? Wie weiter? O, es scheint schnell kommen zu sollen, dieses künftige Große; es scheint auf seine eigne Seele gelegt: der König will die Nacht in Inverneß, auf Macbeths Burg verbringen!

Und nun, da unsre innere Bühne noch einen weiteren Schauplatz umfaßt als die Shakespeares, müssen wir, während der Abend sinkt, die Kavalkade über Hügel, Täler und Heiden reiten sehen, dahinsprengen hören. Der König und sein Gefolge in schnellem, fröhlichem Ritt, Macbeth aber weit voraus, um Quartier zu machen! Das muß Schickung sein; muß mit den Geistermächten zusammenhängen; welch eine Gelegenheit, die so nie wiederkehrt! Auf einmal der anerkannte Held des Landes geworden, geehrt und gefürchtet von allen, — und der König heut zur Nacht in Inverneß! Es muß alles vorbereitet werden; jetzt, jetzt muß es geschehen, muß ins Werk gesetzt werden, was kommen soll, was verkündigt ist — — der Gedanke läßt ihn keinen Augenblick.

Und zu Hause sitzt ihm eine, die all sein Planen in ergebenster, mitreißender, befeuernder Gattenliebe teilt: sie muß vorbereitet werden, sie muß vorbereiten: und noch schneller als er sprengt ein Bote voraus, der die Nachricht bringt: der König kommt, kommt heute zur Nacht, trifft sofort ein!

Fast zu Tod erschöpft steigt der Bote vom Pferd, außer Atem; er selbst kann in dem Zustand nicht vor die Herrin treten; ein Diener bringt ihr die Meldung. Das ist „große Zeitung“.

Selbst der Rab’ ist heiser,

Der krächzt den Schicksalseintritt König Duncans

In meine Mauern.

Wie wunderbar schnell das alles sich fügt! Jetzt eben erst — die beiden halten sich in steter Verbindung mit einander — hat sie den Brief gelesen, den ein früherer Bote gebracht hat, der ihr die Nachricht von Macbeths Sieg, von der Begegnung mit den Hexen und ihrer übermenschlichen Kunde und der sofortigen Erfüllung der ersten Prophezeiung gebracht hat. Schon war die Stimmung in ihr: es muß geschehen, es muß getan werden. Und nun, wo ihr die Gelegenheit ins Haus rennen soll, ist sie ganz gerüstet, ganz reif.