Und immer einsamer wird es um Macbeth. Auch von seinem Weib trennen ihn jetzt Schranken wie Tore der Hölle; da er nun geworden ist, wie sie ihn wollte, braucht er sie nicht mehr. Er braucht kein Gespräch mehr und keine Vertraute; er braucht sich nicht zu äußern und kann sich nicht äußern; die Tat ist seine Äußerung; er hat keine Gemeinschaft, hat keine Liebe, hat kein Geschlecht mehr. Er ist der Tyrann: lebendig an ihm sind nur seine Taten.

So tritt er denn im Drama fürs erste in den Hintergrund, wie schon vorher die Lady; wir sehen seine Wirkungen. Persönlich tritt nun Macduff hervor, der Than von Fife, der Mann aus einer andern Welt, deren wir uns nun aufatmend versichern: er will nur den als König anerkennen, der auch die Tugenden des Herrschers hat; wundervoll ist diese Szene, wie Malcolm, der junge Prinz, zu dem er nach England kommt, ihn prüft, ob er kein Verräter, kein mörderischer Abgesandter Macbeths ist; wie der Prinz sich selber alle Laster zuschreibt; wie Macduff auf die Frage, ob so ein habgieriger, grausamer Lüstling zu herrschen verdiene, ausbricht:

Zu herrschen wert?

Nein, nicht zu leben! — Unglücksel’ges Volk!

Und gleich darauf trifft den edeln Macduff die Nachricht vom gräßlichen Untergang seines Hauses: von der Ermordung der Frau und der Kinder.

Eine der innigsten Szenen Shakespeares ist das, wie der vom größten Leid Angesprungene kein Wort spricht, das Gesicht im Hut verbirgt und dann, als Worte kommen, als er im Bilde sieht, wie der Geier auf sein Nest losgestürzt ist, immer wieder fragt: Alle? Alle?

All meine lieben Küchlein? samt der Henne?

Und wie er sich dann mannhaft faßt, den Schmerz um all seine Lieben zum Schmerz ums Vaterland, um das von einem Tyrannen gequälte Volk werden läßt, da kommt es in aller Ergriffenheit wie Glück über uns: wir haben einen Mann und Menschen gesehn, in dem Liebe, Innigkeit, Güte, Klarheit, Beherrschtheit in Harmonie stehen.

Und unmittelbar — zum Beginn des Schlußakts — folgt dann die große Szene der Unharmonischen. Nun dürfen wir in Grauen miterleben, was alles in Lady Macbeth gelebt und empfunden hat, ohne daß sie’s hat hochkommen lassen, ohne daß sie’s gewußt hat.