Laßt überfluß- und wollusttrunknen Mann,
Der eurer Satzung trotzt, der nicht will sehen,
Weil er nicht fühlt, schnell fühlen eure Macht:
Verteilung tilgte so das Übermaß,
Und jeder hätt’ genug.
Da ist es nun ganz deutlich, wie der blinde Gloster im Augenblick, wo er vor dem Tod steht, mit hellen Geistes Augen zu derselben Erkenntnis kommt wie noch in der nämlichen Stunde der wahnsinnige Lear. Für beide wird in dem Unterricht, den ihnen der Sturz von der Höhe erteilt, die metaphysische Weltanschauung, der sie beide wohl in der Zeit der Herrlichkeit angehangen haben, ergänzt und zu großem Teil ersetzt durch die soziale Betrachtung, die ja in Wirklichkeit die Erkenntnis birgt: Schiebt nicht den Göttern zu, was euer Menschenwerk ist, was ihr schlecht gemacht habt und gut machen könnt.
Und doch kann-will es der Mensch nicht lassen, in den hohen Augenblicken des Menschenschicksals manchmal sichtbar und greifbar die geheime Führung, die Vorsehung, die ewige Gerechtigkeit, den Sinn zu erblicken. Wie der gute Albanien hört, daß nach Glosters scheußlicher Blendung der Täter, sein Schwager Cornwall, sofort vom eignen Knecht, der ihm Jahre gedient und zu Gloster keine Beziehung hatte, aus Aufruhr der Seele heraus erschlagen worden ist, ruft er, tief erschüttert ob dieser Vergeltung:
Dies zeigt, ihr waltet droben,
Ihr Richter, die der Menschen Übeltat
So schleunig rächen!