In Alexandria im Palast erst findet er sich wieder und schäumt vor Scham und Wut. Sie sieht und hört er erst gar nicht; dann fährt er ganz unbeherrscht, tobend gegen sie los. Sie aber ist rührend in ihrer weiblichen Schwachheit. In diesem Augenblick ganz ohne Sinn für Krieg und Politik, nicht einmal bewußt weiblicher Politik folgend und gerade dadurch ihn treffend, unköniglich, wie ein Zigeunermädchen beugt sie sich tief:

O mein Herr,

Mein Herr, vergib nur meinen zagen Segeln!

Ich dacht’ nicht, daß du folgtest.

Zart und geknickt kann sie nur immer um Verzeihung bitten, und wie die Tränen kommen, ist er besiegt. Es ist zu Ende, er weiß es; aber wer wird dran denken? Wein her, zum Mahl! zum Kuß! zur Liebe! zur Betäubung!

Sie aber, der Lieben Leben und Leben Lieben ist, die feig wie eine Sklavin an Dasein und Wohlsein, an Lust und Üppigkeit hängt, der hintereinander die Beherrscher der Welt, Pompejus, Julius Cäsar, Antonius Geliebte waren, kommt jetzt in die größte Versuchung ihres Lebens.

Schon liegt Octavius mit seinem Heer vor Alexandrien und sendet Botschaft: Antonius soll ausgeliefert werden; dann soll Cleopatra Gnade und Gunst finden.

Seine Feldherrn haben Antonius fast alle verlassen; selbst der Treue, der ihn trotz allem Zynismus seines Gehabens fast anbetet, Enobarbus entschließt sich, von ihm zu gehen (um dann bald in Reue — eine wundervolle Szene — sich selbst zu töten): wo die Römer von ihrem Herrn und Meister abfallen, wo er verloren ist, was soll sie, die Ägypterin, sie, die Zigeunerin, Tod und Untergang vor Augen, tun?

Wir wissen nur, daß sie den Boten des Octavius huldreich empfängt — ob sie weiter gegangen wäre? Wer weiß es? Der Dichter weiß nur, was er wissen will; die Unbestimmtheit und Frage ist sein Kunstmittel so gut wie die Sicherheit, je nach den Menschen und Lagen, die er behandelt; hier verrät er uns wieder einmal nichts; soviel er tut, seiner Cleopatra die schillernde Haut und das Innere zu beleuchten, sie ist ein Rätsel, soll es sein, und hier läßt er sie unaufgelöst.