„Zwanzig Gulden, mein Herr.“
„Schön. Bitte —,“ der Fremde überlegte, ob er den Schädel gleich mitnehmen solle, — „nein, es geht nicht, man würde mich auf der Straße für den Hamlet halten,“ sagte er sich, „bitte, schicken Sie ihn mir in meine Wohnung; hier ist das Geld.“
Er warf unwillkürlich einen Blick in das Bureau am Fenster, — mit verdächtiger Unbeweglichkeit stand der alte Jude vor seinem Pult, als hätte er die ganze Zeit über nichts als Eintragungen ins Hauptbuch gemacht, — dann schrieb er auf einen Block, den die Verkäuferin ihm hinhielt, seinen Namen nebst Adresse:
Fortunat Hauberrisser
Ingenieur
Hooigracht Nr. 47
und verließ, noch immer ein wenig betäubt, den Vexiersalon.
Zweites Kapitel
Seit Monaten war Holland überschwemmt von Fremden aller Nationen, die, kaum daß der Krieg beendet war und beständig wachsenden inneren politischen Kämpfen den Schauplatz abgetreten hatte, ihre alte Heimat verließen und teils dauernd Zuflucht in den niederländischen Städten suchten, teils sie als vorübergehenden Aufenthalt wählten, um von dort aus einen klaren Überblick zu gewinnen, auf welchem Fleck Erde sie künftighin ihren Wohnsitz aufschlagen könnten.
Die billige Prophezeiung, das Ende des europäischen Krieges werde einen Auswandererstrom der ärmeren Bevölkerungsschichten aus den am härtesten mitgenommenen Gegenden zur Folge haben, hatte gründlich geirrt, und reichten auch die verfügbaren Schiffe, die nach Brasilien und andern als fruchtbar geltenden Erdteilen fuhren, nicht hin, die vielen Zwischendeckspassagiere zu befördern, so stand doch der Abfluß der auf ihrer Hände Arbeit Angewiesenen in keinem Verhältnis zur Zahl derer, die entweder wohlhabend waren und überdrüssig, sich ihre Einkünfte durch den immer unerträglicher werdenden Druck der heimischen Steuerschrauben zusammenpressen zu lassen — also der sogenannten Unidealen — oder zur Zahl derer, die bisher in intellektuellen Berufen tätig gewesen, keine Möglichkeit mehr vor sich sahen, mit ihrem Verdienst den unerhört kostspielig gewordenen Kampf um das auch nur nackte Leben weiter zu führen.
Hatte schon in den verflossenen Zeiten der Friedensgreuel das Einkommen eines Schornsteinfegermeisters oder Schweinemetzgers das Gehalt eines Universitätsprofessors weit überstiegen, so war doch jetzt die europäische Menschheit bereits auf dem Glanzpunkt angelangt, wo der alte Fluch „im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“ buchstäblich und nicht nur im übertragenen Sinne aufgefaßt werden mußte; — die „innerlich“ Schwitzenden sahen sich dem Elend preisgegeben und gingen aus Mangel an Stoffwechsel zugrunde.