Instinktiv hielt sie die Halsschnur des Negers fest und streckte die Beine, um ihn, so gut sie vermochte, am Laufen zu hindern, aber er schien ihre Last kaum zu spüren; mit einem Ruck hob er sie hoch vom Boden auf und raste mit ihr die Mauer des Kirchengartens entlang.

Sie sah die wulstigen Lippen um die gefletschten Zähne wie den Rachen eines Raubtiers dicht vor sich, und der Ausdruck lodernder Wildheit in seinen weißen Augen fraß sich in ihre Sinne ein, daß sie wie hypnotisiert erstarrte, unfähig, auch nur den geringsten Widerstand mehr zu leisten.

Der eine der beiden Matrosen hatte den Neger überholt, warf sich, zusammengeduckt wie eine Katze vor seine Füße, um ihn zu Fall zu bringen, und stach mit dem Messer von unten nach ihm; das Knie des Zulus, der blitzschnell in die Höhe gesprungen war, traf ihn vor die Stirn, daß er sich lautlos überschlug und mit zerschmettertem Schädel liegen blieb.

Dann fühlte sich Eva plötzlich über das Gittertor des Kirchengartens geworfen, daß sie glaubte, alle Knochen im Leibe seien ihr zerbrochen, und sah, mit den Kleidern in den eisernen Spitzen verfangen, durch die Stäbe, wie der Neger mit seinem zweiten Gegner rang. —

Der Kampf dauerte nur wenige Sekunden, — wie ein Ball geschleudert, flog der Matrose die Wand des gegenüberliegenden Hauses empor an ein Fenster, dessen Scheiben und Kreuze unter der Wucht mit lautem Knall zerbarsten.

Eva hatte sich, zitternd vor Todesschwäche, von dem Gitter befreit und suchte zu entfliehen, aber der schmale Garten bot keinen Ausweg; — wie ein gehetztes Tier verkroch sie sich unter einer Bank; sie begriff, daß sie trotzdem verloren war, denn ihr helles Kleid leuchtete aus der Dunkelheit und mußte sie im nächsten Augenblick verraten.

Mit bebenden Fingern, kaum mehr fähig zu denken, suchte sie an ihrem Halse nach einer Nadel, um sie sich ins Herz zu stoßen, denn schon hatte sich der Neger über die Mauer geschwungen, und sie wollte ihm nicht lebend in die Hände fallen.

Ein stummer, verzweifelter Schrei zu Gott, etwas zu finden, womit sie sich den Tod geben könnte, ehe ihr Peiniger sie entdeckte, drängte sich ihr auf die Lippen.

Es war das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, dann bildete sie sich einen Moment lang ein, wahnsinnig geworden zu sein, denn sie sah plötzlich ihr Spiegelbild ruhig und lächelnd mitten im Garten stehen.

Auch der Neger schien es erblickt zu haben, er stutzte und ging überrascht darauf zu.