Er überlegte, ob er seinen Wohnsitz nicht nach Antwerpen verlegen solle, um mit ihr wenigstens dieselbe Luft zu atmen, wenn sie schon nicht wünschte, daß sie beisammen seien; vielleicht ergab sich dann doch bisweilen eine Gelegenheit, sie zu sehen.
Es schmerzte ihn, wenn er sich ins Gedächtnis zurückrief, wie kühl sie ihren Entschluß ausgesprochen hatte, es der Zeit und mehr oder weniger dem Zufall zu überlassen, ob sich ein dauerndes Band zwischen ihnen anknüpfen werde, dann wieder dachte er, Minuten lang berauscht von Glück, an ihre Küsse und daß sie sich ja bereits für immer gefunden hätten.
Nur an ihm lag es, sagte er sich, wenn sich die Trennung länger als ein paar Tage hinauszog.
Was hinderte ihn, sie schon in der kommenden Woche zu besuchen und sie zu bitten, im Verkehr mit ihm zu bleiben? — Sie war, so viel er wußte, vollkommen unabhängig und brauchte niemand zu fragen, wenn sie ihre Wahl treffen wollte.
So überaus klar und geebnet ihm der Weg zu ihr auch erschien, wie er alle Umstände in Betracht zog, — immer wieder drängte sich vor seine Hoffnungen dasselbe unabweisbare Gefühl einer unbestimmten Angst um Eva, das er zum erstenmal so deutlich empfunden, als sie Abschied voneinander genommen hatten.
Er wollte sich die Zukunft in rosigen Farben ausmalen, kam aber nicht über die Anfänge hinaus: sein krampfhaftes Bemühen, das eiserne „Nein“ wegzuleugnen, das jedesmal in seiner Brust wie eine Antwort auf seine Frage an das Schicksal ertönte, wenn er sich ein befriedigendes Ende vorzustellen zwang, brachte ihn fast zur Verzweiflung.
Er wußte aus langer Erfahrung, daß es nichts half, die hartnäckigen Stimmen jener seltsamen, scheinbar auf nichts begründeten inneren Gewißheit eines drohenden Unheils zu überschreien, wenn sie einmal wach geworden waren, — und so suchte er sie zu beschwichtigen, indem er sich vorhielt, seine Besorgnis sei die natürliche Folge der Verliebtheit; trotzdem glaubte er jetzt schon die Stunde kaum erwarten zu können, wo er erfahren würde, Eva sei wohlbehalten in Antwerpen angekommen.
In der Station Weesperpoort, die der Mitte der Stadt näher liegt als der Zentralbahnhof, stieg er gemeinsam mit Sephardi aus, begleitete ihn ein Stück nach der Heerengracht und eilte dann zum Amstelhotel, um einen Strauß Rosen, den ihm Pfeill lächelnd mitgegeben, als hätte er seine Gedanken erraten, beim Portier für Eva zu hinterlegen.
Fräulein van Druysen sei soeben abgereist, hieß es; aber, wenn er einen Wagen nähme, könne er den Zug möglicherweise noch vor Abgang erreichen.
Ein Automobil brachte ihn in schneller Fahrt zum Bahnhof.