Er wartete.

Minute um Minute verstrich, Eva kam nicht.

Er telephonierte an das Hotel — — sie war auch nicht nach Hause zurückgekehrt. — Er solle in der Gepäckhalle fragen. —

Die Koffer waren nicht abgeholt worden. Er glaubte, der Boden wanke unter seinen Füßen.

Jetzt, wo er sich in Angst um Eva verzehrte, begriff er erst, wie heiß er sie liebte und daß er ohne sie nicht mehr leben könnte.

Die letzte Schranke zwischen ihr und ihm, — das leise Gefühl des Sich-noch-fremd-seins, entstanden durch die ungewöhnliche Art, wie sie einander näher gebracht worden waren, — fiel in nichts zusammen unter dem Übermaß seiner Sorge um sie, und er wußte, wenn sie jetzt vor ihm stünde, würde er sie in die Arme schließen und mit Küssen bedecken und nie wieder von sich lassen.

Es blieb ihm kaum eine Hoffnung, daß sie in letzter Minute noch kommen könne, dennoch wartete er, bis sich der Zug in Bewegung setzte.

Daß ihr ein Unglück zugestoßen sein mußte, lag auf der Hand. Gewaltsam zwang er sich zur Ruhe.

Welchen Weg konnte sie genommen haben? Keine Minute durfte mehr verloren gehen. Hier konnte nur noch, wenn nicht bereits das Schlimmste geschehen war, das kalte, hellsichtige Durchschauen und Abwägen der Sachlage helfen, das er schon in seinem ehemaligen Beruf als Ingenieur und Erfinder als eine fast nie versiegende Quelle rettender Einfälle erkannt hatte.

Seine Vorstellungskraft bis aufs Äußerste anspannend, mühte er sich ab, einen Blick in das geheime Räderwerk der Geschehnisse zu werfen, die sich um Eva, bevor sie das Hotel verlassen hatte, möglicherweise abgespielt haben konnten. — Er versuchte, sich in die Stimmung des Wartens hineinzuversetzen, in der sie sich vermutlich befunden, bevor sie aufgebrochen war.