„Und auf welche Weise will er den Schuster überfallen haben?“
„Er behauptet, an einer Kette, die vom Giebel des Hauses ins Wasser herabhängt, emporgeklettert zu sein und dem Klinkherbogk, der ihm mit freudig ausgebreiteten Armen entgegengetreten sein soll, das Genick gebrochen zu haben. — Alles Unsinn natürlich.“
„Das mit der Ahle, sagen Sie, könne er unmöglich gewußt haben? — Ist es wirklich ganz ausgeschlossen, daß er es von irgend jemand erfahren hat, ehe er sich selbst bei der Polizei stellte?“
„Ausgeschlossen.“
Sephardi wurde immer nachdenklicher. Seine anfängliche Vermutung, Eidotter habe sich als Täter bezeichnet, um einer eingebildeten Mission als „Simon der Kreuzträger“ gerecht zu werden, hielt nicht Stich. Vorausgesetzt, daß der Irrenarzt nicht log, — woher konnte Eidotter die näheren Umstände mit der Ahle gewußt haben? Eine Ahnung beschlich Sephardi, als müsse ein schwer erklärlicher Fall unbewußten Hellsehens bei dem Alten mit hereinspielen.
Er öffnete den Mund, um den Verdacht, der Zulu sei vielleicht der Mörder, auszusprechen, aber ehe er es noch über die Lippen bringen konnte, fühlte er von innen heraus einen heftigen Ruck, der ihn sofort schweigen machte.
Es war fast wie eine körperliche Berührung gewesen. Trotzdem maß er der Sache keine weitere Bedeutung bei und fragte nur, ob es erlaubt sei, mit Eidotter zu sprechen.
„Eigentlich dürfte ich es nicht zugeben,“ meinte Dr. Debrouwer, — „gar wo Sie, wie man ja bei Gericht weiß, mit ihm noch kurz vor dem Geschehnis bei Swammerdam beisammen waren, aber, wenn Ihnen so viel daran liegt — und da Ihr Ruf als Gelehrter in Amsterdam ja unantastbar ist“ — setzte er mit einem Anflug von Neid hinzu, „so will ich gern meine Machtbefugnis überschreiten.“ —
Er klingelte und ließ Sephardi durch einen Wärter in die Zelle führen. — — —
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