Die Diebe, die die Kraft der Seele stehlen, sind schlimmer als die Diebe der Erde. Sie locken dich wie Irrlichter in die Moräste einer trügerischen Hoffnung, um dich in der Finsternis allein zu lassen und für immer zu verschwinden.
Laß dich durch kein Wunder blenden, das sie scheinbar für dich tun, durch keinen heiligen Namen, den sie annehmen, durch keine Prophezeiung, die sie aussprechen, auch nicht, wenn sie in Erfüllung geht, — sie sind deine Todfeinde, von der Hölle deines eignen Körpers ausgespien, mit dem du um die Herrschaft ringst.
Wisse, daß die wunderbaren Kräfte, die sie besitzen, deine eignen sind, — von ihnen entwendet, um dich in Sklaverei zu erhalten; — sie können nicht leben, außer von deinem Leben, aber wenn du sie überwindest, sinken sie zu stummen, gehorsamen Werkzeugen herab, die du nach deinem Willen handhaben kannst.
Unzählig sind die Opfer, die sie unter den Menschen gefordert haben; lies die Geschichte der Visionäre und Sektierer und du wirst erkennen, daß der Pfad der Beherrschung, den du wandelst, mit Totenschädeln bedeckt ist.
Die Menschheit hat sich unbewußt eine Mauer gegen sie gebaut: — den Materialismus. Diese Mauer ist ein unfehlbarer Schutz, — sie ist ein Sinnbild des Körpers, aber sie ist zugleich auch eine Kerkermauer, die den Ausblick hemmt.
Heute, wo sie langsam zerbröckelt und der Phönix des innern Lebens aus seiner Asche, in der er lange Zeit wie tot gelegen, mit neuen Schwingen wieder aufersteht, regen auch die Aasgeier einer andern Welt die Flügel. Darum hüte dich. Die Wagschale, in die du dein Bewußtsein legst, zeigt dir allein an, wann du Erscheinungen trauen darfst; je wacher es ist, desto tiefer neigt sie sich zu deinen Gunsten.
Will dir ein Führer, ein Helfer, oder ein Bruder aus einer geistigen Welt erscheinen, so muß er es können, auch ohne dein Bewußtsein zu plündern; du darfst, wie der ungläubige Thomas, deine Hand in seine Seite legen.
Es wäre ein Leichtes, den Erscheinungen und ihren Gefahren auszuweichen: — du brauchst nur zu sein wie ein gewöhnlicher Mensch. — Aber was ist damit gewonnen? Du bleibst ein Gefangener im Kerker deines Leibes, bis der Henker „Tod“ dich zum Richtblock schleppt.
Die Sehnsucht der Sterblichen, die Gestalten der Überirdischen zu schauen, ist ein Schrei, der auch die Phantome der Unterwelt weckt, weil eine solche Sehnsucht nicht rein ist — weil sie Habgier ist statt Sehnsucht, weil sie „nehmen“ will in irgendeiner Form, statt zu schreien, um das „geben“ zu lernen.
Jeder, der die Erde als ein Gefängnis empfindet, jeder Fromme, der nach Erlösung ruft, — sie alle beschwören unbewußt die Welt der Gespenster.