Auf dem Wege zum Erwachen wird der erste Feind, der sich dir entgegenstellt, dein eigner Körper sein. Bis zum ersten Hahnenschrei wird er mit dir kämpfen; erblickst du aber den Tag des ewigen Wachseins, der dich fernrückt von den Nachtwandlern, die da glauben, die seien Menschen, und nicht wissen, daß sie schlafende Götter sind, dann verschwindet für dich auch der Schlaf des Körpers und das Weltall ist dir untertan.
Dann kannst du Wunder tun, wenn du willst, und mußt nicht wie ein wimmernder Sklave demütig harren, bis es einem grausamen Götzen gefällig ist, dich zu beschenken oder — dir den Kopf abzuschlagen.
Freilich, das Glück des treuen, wedelnden Hundes: einen Herrn über sich zu kennen, dem er dienen darf — dieses Glück wird für dich zerschellen, — aber frag’ dich selbst, würdest du als der Mensch, der du jetzt noch bist, mit deinem Hunde tauschen?
Laß dich nicht abschrecken durch die Angst, das Ziel in diesem Leben vielleicht nicht erreichen zu können! — Wer unsern Weg einmal betreten hat, der kommt immer wieder auf die Welt in einer innern Reife, die ihm die Fortsetzung seiner Arbeit ermöglicht, — er wird als „Genie“ geboren.
Der Pfad, den ich dir weise, ist besät mit wundersamen Erlebnissen: Tote, die du im Leben gekannt hast, werden vor dir aufstehen und mit dir reden! — Es sind nur Bilder! — Lichtgestalten, glanzumflossen und beseligend, werden dir erscheinen und dich segnen. — Es sind nur Bilder — Hauchformen, von deinem Körper ausgesendet, der unter dem Einfluß deines verwandelnden Willens den magischen Tod stirbt und aus Stoff zu Geist wird, gleich wie starres Eis, vom Feuer getroffen, sich in formenballenden Dunst auflöst.
Erst wenn du alles Kadaverhafte von ihm abgestreift hast, kannst du sagen: jetzt ist der Schlaf für immer von mir gewichen.
Dann aber ist das Wunder vollbracht, das die Menschen nicht glauben können, — weil sie, durch ihre Sinne betrogen, nicht begreifen, daß Stoff und Kraft dasselbe ist, — jenes Wunder: daß, wenn man dich auch begräbt, keine Leiche im Sarge liegt.
Dann erst, nicht früher, wirst du Wesenhaftes vom Schein trennen können; wem du dann begegnest, kann nur einer sein, der vor dir den Weg gegangen ist. — Alle andern sind Schatten.
Bis dahin bleibt es ungewiß auf Schritt und Tritt, ob du das glücklichste oder das unglücklichste der Wesen wirst. — Aber fürchte dich nicht —: noch ist keiner, der den Pfad des Wachseins betreten hat, auch wenn er in der Irre ging, von den Führern verlassen worden.
Ein Merkmal will ich dir sagen, an dem du erkennen kannst, ob eine Erscheinung, die du hast, wesenhaft ist oder ein Trugbild: Wenn sie vor dich tritt und dein Bewußtsein ist getrübt, und die Dinge der Außenwelt sind für dich verschwommen oder verschwunden, dann traue nicht! Sei auf der Hut! Es ist ein Stück von dir. Wenn du das Gleichnis nicht errätst, das es in sich birgt, ist es nur ein Gespenst ohne Bestand — ein Schemen, ein Dieb, der von deinem Leben zehrt.