Mit einem Gefühl des Grauens und brennender Sehnsucht zugleich dachte er an die Minuten zurück, wo es ihm gelungen war, Evas Phantom heraufzubeschwören. — Anfangs war es grau und schattenhaft gewesen, dann hatte es langsam Farbe und Leben bekommen, bis es vor ihm gestanden — so deutlich wie aus Fleisch und Blut.
Jetzt noch fühlte er die Eiseskälte, die seinen Körper damals ergriffen, als er von magischem Instinkt getrieben, den Versuch gewagt hatte, auch seine übrigen Sinne — Gehör und Gefühl — an der Vision teilnehmen zu lassen.
Oft und oft hatte er sich seitdem auf dem Wunsch ertappt, das Bild nochmals vor seinen Blick zu zaubern, und immer seine ganze Kraft aufbieten müssen, um der Lockung zu widerstehen.
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Die Nacht schritt vor, aber er konnte sich nicht entschließen, schlafen zu gehen; beständig umkreiste ihn das dumpfe Ahnungsgefühl, es müßte auch ein magisches Mittel geben, Eva zu rufen, daß sie zu ihm käme — nicht wie damals als vampyrhafter Schemen, belebt von dem Hauch seiner eignen Seele, nein: leibhaftig und wirklich.
Er sandte seine Gedanken aus, damit sie mit neuen Eingebungen, wie er es anzufangen hätte, beladen zu ihm zurückkehren möchten; er wußte aus seinen Fortschritten in den letzten Wochen, daß diese Methode des Aussendens von Fragen und beharrlichen Wartens auf Antwort — dieses klarbewußte Wechseln von aktivem und passivem Zustand — selbst dann nicht zu versagen brauchte, wenn es sich um Dinge handelte, die durch logischen Denkprozeß herauszufinden unmöglich war.
Einfall auf Einfall schoß ihm durch den Kopf, einer krauser und phantastischer als der andere; er prüfte sie mit der Wage seines Gefühls: jeder wurde zu leicht befunden.
Wieder war es der Schlüssel des „Wachseins“, der das verborgene Schloß aufsperren half.
Nur mußte diesmal — erriet er instinktiv — sein Körper und nicht das Bewußtsein allein zu höherer Lebendigkeit erregt werden; im Körper lagen die magischen Kräfte schlafend, sie mußte er erwecken, wenn er auf die stoffliche Welt einwirken wollte.
Wie ein belehrendes Beispiel fiel ihm ein, daß die Wirbeltänze der arabischen Derwische im Grunde wohl auch nichts anderes bezweckten, als den Körper zu einem höheren „Wachsein“ aufzupeitschen.