Ich habe niemals eine sogenannte ‚überirdische‘ Erscheinung gehabt — nur einmal im Schlaf: das Bild meiner Frau, als ich einen grünen Käfer suchte. — Ich habe niemals begehrt ‚Gott zu schauen‘, niemals ist ein Engel zu mir gekommen, wie zu Klinkherbogk — ich bin nie dem Propheten Elias begegnet wie Lazarus Eidotter, — aber tausendfach hat mir alles das die Lebendigkeit des Bibelwortes ersetzt: ‚Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!‘ — Es ist an mir zur Wahrheit geworden.
Ich habe geglaubt, wo nichts zu glauben war, und habe gelernt, Dinge für möglich zu halten, die unmöglich sind.
Manchmal fühle ich: es steht Einer neben mir, riesengroß und allmächtig, — oder ich weiß: er hält seine Hand über Den oder Jenen; ich sehe und höre Ihn nicht, aber ich weiß: Er ist da.
Ich hoffe nicht, daß ich ihn jemals sehen werde — aber ich hoffe auf ihn.
Ich weiß, daß eine furchtbare, erschütternde Zeit kommt, der ein Sturm vorangehen wird, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat, — es ist mir gleichgültig, ob ich diese Zeit erleben werde, aber ich bin froh, daß sie kommt!“ — ein Frösteln überlief Pfeill und Sephardi bei den Worten, die Swammerdam kalt und gelassen aussprach. — „Sie haben mich heute morgen gefragt, wo ich glaubte, daß Eva so lange verborgen gewesen sein konnte, — woher hätte ich es wissen sollen? — Gewußt habe ich, daß sie kommen wird: und sie ist gekommen!
So genau, wie ich weiß, daß ich hier stehe, so genau weiß ich auch, daß sie nicht — tot — ist! Er hält die Hand über sie.“
„Aber sie ist doch in der Kirche aufgebahrt! — Sie wird doch morgen begraben!“ riefen Sephardi und Pfeill entsetzt durcheinander.
„Und wenn man sie tausendmal begrübe — und wenn ich ihren Totenschädel in der Hand hielte: ich weiß, daß sie nicht gestorben ist.“
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„Er ist ein Wahnsinniger,“ sagte Pfeill zu Sephardi, als Swammerdam gegangen war.