Swammerdam nickte sinnend. — „Freilich, freilich. Es kommt daher, — weil Ihre Erkenntnisse aus dem Denken entstehen und nicht aus dem ‚Inneren Wort‘. Den eignen Erkenntnissen mißtrauen wir heimlich, ohne es zu wissen, deshalb sind sie grau und tot, — die Eingebungen durch das Innere Wort dagegen sind lebendige Geschenke der Wahrheit, die uns unsäglich erfreuen — immer wieder, so oft wir uns an sie erinnern.

Seit ich den ‚Weg‘ gehe, hat das Innere Wort nur wenigemal zu mir gesprochen; — aber es hat dadurch mein ganzes Dasein erhellt.“

„Und ist immer alles eingetroffen, was es Ihnen gesagt hat,“ fragte Sephardi mit unterdrücktem Zweifel in der Stimme, — „oder waren es überhaupt keine Prophezeiungen?“

„Ja. Drei Prophezeiungen waren darunter, die die ferne Zukunft betrafen. Die erste hieß: durch mein Dazutun würde einem jungen Menschenpaar ein geistiger Weg erschlossen werden, der seit Jahrtausenden auf Erden verschüttet lag und in der neuen Zeit, die bevorsteht, vielen Menschen offenbar werden wird. — Es ist der Weg, der dem Leben erst wahren Wert verleiht und dem Dasein einen Sinn gibt. Diese Verheißung ist der Inhalt meines Lebens geworden.

Über die zweite möchte ich nicht reden, — Sie müßten glauben, ich sei wahnsinnig, wenn ich sie Ihnen sagte, und — — —“

Pfeill horchte auf: „Betrifft sie Eva?“

Swammerdam gab keine Antwort darauf und lächelte — „und die dritte scheint belanglos — obwohl das nicht sein kann — und würde Sie nicht interessieren.“

„Haben Sie Anzeichen, daß wenigstens eine der drei Voraussagen eintreffen wird?“ fragte Sephardi.

„Ja. Das Gefühl unabwendbarer Gewißheit. Es ist mir gleichgültig, ob ich ihre Erfüllung jemals sehen werde; es genügt mir zu wissen, daß ich nicht imstande bin, daran zu zweifeln.

Sie können eben nicht begreifen, was es heißt: die Nähe der Wahrheit zu spüren, die niemals irren kann. — Das sind Dinge, die man an sich selbst erleben muß.