Die Bäume standen kahl und dürr — ohne Knospen, in den Wurzeln erfroren. Überall schwarze, tote Äcker, das Gras braun und welk; eine schreckhafte Windstille; das Meer unbeweglich wie aus Glas; seit Monaten kein Tropfen Regen, eine trübe Sonne hinter staubigen Schleiern, — die Nächte schwül und ohne Tau.

Der Kreislauf der Natur schien stillstehen zu wollen.

Eine beklemmende Angst vor drohenden Ereignissen, geschürt von wahnwitzigen Bußpredigern, die unter Psalmengeheul die Straßen der Städte durchzogen, hatte die Bevölkerung ergriffen wie zu den furchtbaren Zeiten der Wiedertäufer.

Man sprach von unabwendbarer Hungersnot und dem Ende der Welt. — — — —

Hauberrisser war aus seiner Wohnung in der Hooigracht hinaus in das Flachland im Südosten vor Amsterdam übersiedelt und lebte einsam in einem uralten alleinstehenden Haus, von dem die Sage ging, es sei ursprünglich ein sogenannter Druidenstein gewesen. Es war mit dem Rücken dicht an einen niedrigen Hügel angelehnt und lag inmitten des von Wasserstraßen durchzogenen Slotermeer-Polders.

Er hatte es auf seiner Heimkehr von dem Begräbnis Evas erblickt, — da es seit langem leer stand, kurz entschlossen gemietet, noch am selben Tag bezogen und im Laufe des Winters wohnlicher herrichten lassen: — er wollte allein mit sich selbst sein und fern vom Gewühl der Menschen, die ihm wie wesenlose Schatten erschienen.

Von seinem Fenster aus konnte er die Stadt mit ihren düstern Bauten und den Wald von Schiffsmasten im Hintergrund wie ein dunsthauchendes, stachliges Ungeheuer vor sich liegen sehen.

Wenn er in solchen Momenten das Fernglas zur Hand nahm und den Anblick der beiden Spitzen der Nikolaskirche und der andern zahllosen Türme und Giebel nahe an sein Auge rückte, wurde ihm jedesmal ganz unbeschreiblich sonderbar zu Mute —: so, als stünden nicht Dinge vor ihm, sondern zu Formen erstarrte, quälende Erinnerungen, die mit grausamen Armen nach ihm greifen wollten. — — Gleich darauf waren sie wieder zerronnen und mit den Bildern der Häuser und Dächer in neblige Ferne versunken.

Anfangs hatte er zuweilen das Grab Evas auf dem unweit liegenden Friedhof besucht, aber es war immer nur ein mechanischer, gedankenloser Spaziergang gewesen.

Wenn er sich vorstellen wollte, sie läge da unten in der Erde, und er müßte Schmerz darüber empfinden, erschien ihm der Gedanke so widersinnig, daß er oft vergaß, die Blumen, die er mitgebracht hatte, auf dem Hügel niederzulegen, und sie wieder mit nach Hause nahm.