Denke daran, was mir Chidher gesagt hat: ‚Wer nicht auf der Erde das Sehen lernt, drüben lernt er’s gewiß nicht‘. —
Hüte dich vor der Lehre der Spiritisten wie vor Gift, — sie ist die furchtbarste Pest, die jemals die Menschen befallen hat; auch die Spiritisten behaupten, mit den Toten verkehren zu können, — sie glauben, die Toten kämen zu ihnen; — es ist eine Täuschung. — Es ist gut, daß sie nicht wissen, wer die sind, die da kommen. Wenn sie’s wüßten, würden sie sich entsetzen.
Erst mußt du selbst unsichtbar werden können, ehe du den Weg findest, zu den Unsichtbaren zu gehen und hier und drüben zugleich zu leben, — so, wie ich unsichtbar geworden bin — sogar für die Augen meines eigenen Körpers.
Ich bin selber noch nicht so weit, als daß mir der Blick für die jenseitige Welt erschlossen wäre, dennoch weiß ich: die, die blind von der Erde gegangen sind, sind nicht drüben; sie sind wie in der Luft verklungene Melodien, die durch den Weltraum wandern, bis sie wieder auf Saiten treffen, auf denen sie von neuem ertönen können; — das, wo sie zu sein glauben, ist kein Ort: es ist eine raumlose Trauminsel von Schemen, weit weniger wirklich noch als die Erde.
In Wahrheit unsterblich ist nur der erwachte Mensch; Sonnen und Götter vergehen, — er allein bleibt und kann alles vollbringen, was er will. Über ihm ist kein Gott.
Nicht umsonst heißt unser Weg: ein heidnischer Weg. Was der Fromme für Gott hält, ist nur ein Zustand, den er erreichen könnte, wenn er fähig wäre, an sich selbst zu glauben, — so aber zieht er sich in unheilbarer Blindheit eine Schranke, die er nicht zu überspringen wagt, — er schafft sich ein Bild, um es anzubeten, anstatt sich darein zu verwandeln.
Willst du beten, so bete zu deinem unsichtbaren Selbst; es ist der einzige Gott, der Gebete erhört: die andern Götter reichen dir Steine statt Brot.
Unglücklich die, die zu einem Götzen beten und ihr Flehen wird erhört: sie verlieren dadurch ihr Selbst, da sie nie wieder zu glauben vermögen, daß nur sie selber es waren, die sich erhört haben.
Wenn dein unsichtbares Selbst als Wesenheit in dir erscheint, so kannst du es daran erkennen, daß es einen Schatten wirft: ich wußte auch nicht früher, wer ich bin, bis ich meinen eignen Körper als Schatten sah.
Eine Zeit, in der die Menschheit leuchtende Schatten werfen wird und nicht mehr schwarze Schandflecken auf die Erde wie bisher, will dämmern, und neue Sterne ziehen herauf. Trag du auch dazu bei, daß Licht wird!“ — — —