Mein Zustand, wenn ich vom Leibe losgelöst bin und ihn wahrnehme wie einen automatisch meinem Geheiß gehorchenden Schatten, der am Scheinleben der Welt teilnimmt, ist so unbeschreiblich seltsam, daß ich nicht weiß, wie ich ihn dir schildern soll.
Nimm an, du säßest in einem Kinematographen-Theater, — Glück im Herzen, weil dir kurz vorher eine große Freude begegnet ist, — und sähest auf einem Film deiner eignen Gestalt zu, wie sie von Leid zu Leid eilt, am Sterbebette einer geliebten Frau zusammenbricht, von der du weißt, daß sie nicht tot ist, sondern zu Hause auf dich wartet, — hörtest dein Bild auf der Leinwand mit deiner eignen Stimme, hervorgerufen durch eine Sprechmaschine, Schreie des Schmerzes und der Verzweiflung ausstoßen, — — würde dich dieses Schauspiel ergreifen? —
Es ist nur ein schwaches Gleichnis, das ich dir damit geben kann; ich wünsche dir, daß du es erlebst.
Dann wirst du auch wissen, so wie ich es jetzt weiß, daß es eine Möglichkeit gibt, dem Tod zu entrinnen.
Die Stufe, die zu erklimmen mir geglückt ist, ist die große Einsamkeit, von der das Tagebuch meines Vorgängers spricht; sie würde für mich vielleicht noch grausamer sein als das irdische Leben, wenn die Leiter, die aufwärts führt, damit zu Ende wäre, aber die jubelnde Gewißheit, daß Eva nicht gestorben ist, hebt mich darüber hinaus.
Wenn ich Eva auch jetzt noch nicht sehen kann, so weiß ich doch: es bedarf für mich nur mehr eines kleinen Schrittes auf dem Wege des Erwachens und ich bin bei ihr — viel wirklicher, als es jemals früher hätte sein können. — Nur eine dünne Wand, durch die hindurch wir unsere Nähe bereits spüren können, trennt uns noch.
Wie unvergleichlich viel tiefer und ruhiger ist jetzt meine Hoffnung, sie zu finden, als in der Zeit, da ich stündlich nach ihr rief.
Damals war es ein verzehrendes Warten: — jetzt ist es eine freudige Zuversicht.
Es gibt eine unsichtbare Welt, die die sichtbare durchdringt; eine Gewißheit sagt mir: Eva lebt in ihr wie in einer verborgenen Wohnung und wartet auf mich.
Sollte dein Schicksal ähnlich dem meinen sein und du hast einen geliebten Menschen auf Erden verloren, so glaube nicht, daß du ihn auf andere Weise wiederfinden kannst, als dadurch, daß du den ‚Weg des Erwachens‘ gehst.