Und was das Viehzeug an Ungeziefer zum Fressen brauchte! Säckeweis mußte ich es herbeischaffen.
Daß es heute in Holland so wenig Fliegen mehr gibt, ist ausschließlich meiner damaligen Gründlichkeit beim Futtersammeln zu verdanken.
Zum Beispiel die Schwaben — die habe ich ausgerottet.
Die Frösche selbst bekam ich nie zu Gesicht; bei Tage waren sie unter den Steinen verkrochen, und nachts bestanden meine Eltern hartnäckigerweise darauf, daß ich schliefe.
Schließlich riet mir meine Mutter, ich solle die Biester freilassen und bloß die Steine behalten — es käme auf dasselbe heraus und sei einfacher — aber ich wies solche verständnislosen Vorschläge natürlich entrüstet zurück.
Meine Emsigkeit im Insektenfangen wurde allmählich Stadtgespräch und zog mir eines Tages das Wohlwollen des entomologischen Vereins zu, der damals aus einem ixbeinigen Barbier, einem Pelzhändler, drei pensionierten Lokomotivführern und einem Präparator am naturwissenschaftlichen Museum bestand, der jedoch an den Sammelausflügen nicht mitmachen durfte, da seine Frau es nicht erlaubte. Es waren lauter gebrechliche alte Herren, die teils Käfer, teils Schmetterlinge sammelten und eine seidene Fahne verehrten, auf der die Worte eingestickt waren: Osiris, Verein für biologische Forschung.
Trotz meiner Jugend wurde ich als Mitglied aufgenommen. Noch heute besitze ich das Diplom, das mit den Worten schließt: ‚Wir entbieten Ihnen unsern besten biologischen Gruß‘.
Warum man auf meinen Eintritt in den Klub so versessen war, wurde mir bald klar. Sämtliche biologische Greise waren nämlich entweder halb blind und infolgedessen außerstande, die in Baumritzen versteckten Nachtfalter zu erspähen, oder es machte sich ihnen das Vorhandensein von Krampfadern bei dem zur Käferjagd nicht zu missenden Dünensandwaten störend bemerkbar. Andere wieder wurden regelmäßig — wahrscheinlich infolge der Aufregung — beim Schwingen des Netzes nach dem hurtigen Pfauenauge im entscheidenden Augenblick von einem rasselnden Hustenausbruch befallen, der sie der erhofften Beute jedesmal verlustig gehen ließ.
Von allen diesen Bresthaftigkeiten besaß ich keine einzige, und eine Raupe mehrere Kilometer weit auf einem Blatt zu entdecken, war mir eine Kleinigkeit; kein Wunder daher, daß die findigen Greise auf den Gedanken gekommen waren, sich meiner und noch eines Schulkameraden von mir als Spür- und Jagdhund zu bedienen.
Nur einer von ihnen, eben jener Jan Swammerdam, der damals bestimmt schon fünfundsechzig Jahre zählte, übertraf mich weit, was das Auffinden von Insekten anbelangte. Er brauchte nur einen Stein umzudrehen, und schon lag eine Käferlarve oder sonst etwas Ersehnenswertes darunter.