Ein sonderbares Mädchen übrigens, diese Mirjam!
Ein Typus, wie ich ihn noch nie gesehen.
Eine Schönheit, so fremdartig, daß man sie im ersten Moment gar nicht fassen kann, — eine Schönheit, die einen stumm macht, wenn man sie ansieht, und ein unerklärliches Gefühl, so etwas, wie leise Mutlosigkeit in einem erweckt.
Nach Proportionsgesetzen, die seit Jahrtausenden verloren gegangen sein müssen, ist dieses Gesicht geformt, grübelte ich mir zurecht, wie ich es so im Geiste wieder vor mir sah.
Und ich dachte nach, welchen Edelstein ich wählen müßte, um es als Gemme festzuhalten und dabei den künstlerischen Ausdruck richtig zu wahren: Schon an dem rein Äußerlichen; dem blauschwarzen Glanz des Haares und der Augen, der alles übertraf, worauf ich auch riet, scheiterte es. — Wie erst die unirdische Schmalheit des Gesichtes sinn- und visionsgemäß in eine Kamee bannen, ohne sich in die stumpfsinnige Ähnlichkeitsmacherei der kanonischen „Kunst“richtung festzurennen!
Nur durch ein Mosaik ließ es sich lösen, erkannte ich klar, aber was für Material wählen? Ein Menschenleben gehörte dazu, das passende zusammen zu finden. — —
Wo nur Hillel blieb!
Ich sehnte mich nach ihm wie nach einem lieben, alten Freunde.
Merkwürdig, wie er mir in den wenigen Tagen — und ich hatte ihn doch, genau genommen, nur ein einziges Mal im Leben gesprochen, — ins Herz gewachsen war.
Ja, richtig: die Briefe — ihre Briefe wollte ich doch besser verstecken. Zu meiner Beruhigung, falls ich wieder einmal länger von zu Hause fort sein sollte.