Am liebsten wäre ich ihm um den Hals gefallen vor jauchzender Freude.

Außer mir in meinem Entzücken, lief ich planlos im Zimmer umher. Was zuerst bringen? Gläser? Eine Flasche Burgunder? (Ich hatte doch nur eine.) Zigarren? — Endlich fand ich Worte: „Aber warum setzt ihr euch denn nicht!?“ — Rasch schob ich meinen beiden Freunden Sessel unter. — — —

Zwakh fing an, sich zu ärgern: „Warum lächeln Sie denn immerwährend, Hillel? Glauben Sie vielleicht nicht, daß der Golem spukt? Mir scheint, Sie glauben überhaupt nicht an den Golem?“

„Ich würde nicht an ihn glauben, selbst wenn ich ihn hier im Zimmer vor mir sähe“, antwortete Hillel gelassen mit einem Blick auf mich. — Ich verstand den Doppelsinn, der aus seinen Worten klang.

Zwakh hielt erstaunt im Trinken inne: „Das Zeugnis von hunderten Menschen gilt Ihnen nichts, Hillel? — Aber warten Sie nur, Hillel, denken Sie an meine Worte: Mord auf Mord wird es jetzt in der Judenstadt geben! Ich kenne das. Der Golem zieht eine unheimliche Gefolgschaft hinter sich her.“

„Die Häufung gleichartiger Ereignisse ist nichts Wunderbares“, erwiderte Hillel. Er sprach es im Gehen, trat ans Fenster und blickte durch die Scheiben hinab auf den Trödlerladen — „Wenn der Tauwind weht, rührt sich’s in den Wurzeln. In den süßen, wie in den giftigen.“

Zwakh zwinkerte mir lustig zu und deutete mit dem Kopf nach Hillel.

„Wenn der Rabbi nur reden wollte, der könnte uns Dinge erzählen, daß einem die Haare zu Berge stünden,“ warf er halblaut hin.

Schemajah drehte sich um.

„Ich bin nicht ‚Rabbi‘, wenn ich auch den Titel tragen darf. Ich bin nur ein armseliger Archivar im jüdischen Rathaus und führe die Register — über die Lebendigen und die Toten.“