Zwakh schlug mit der Faust auf den Tisch:
„Jawohl: Fragen, die jedesmal anders lauten, und Antworten, die jeder anders versteht.“
„Gerade darauf kommt es an,“ sagte Hillel freundlich. „Alle Menschen über einen Löffel zu — kurieren, ist lediglich Vorrecht der Ärzte. Der Fragende erhält die Antwort, die ihm not tut: sonst ginge nicht die Kreatur den Weg ihrer Sehnsucht. Glauben Sie denn, unsere jüdischen Schriften sind bloß aus Willkür nur in Konsonanten geschrieben? — Jeder hat sich selbst die geheimen Vokale dazu zu finden, die ihm den nur für ihn allein bestimmten Sinn erschließen, — soll nicht das lebendige Wort zum toten Dogma erstarren.“
Der Marionettenspieler wehrte heftig ab:
„Das sind Worte, Rabbi, Worte! Pagad ultimo will ich heißen, wenn ich daraus klug werde.“
Pagad!! — Das Wort schlug in mich ein wie der Blitz. Ich fiel vor Entsetzen beinahe vom Stuhl.
Hillel wich meinen Augen aus.
„Pagad ultimo? Wer weiß, ob Sie nicht wirklich so heißen, Herr Zwakh!“ — schlug Hillels Rede wie aus weiter Ferne an mein Ohr. „Man soll seiner Sache niemals allzu sicher sein. — Übrigens, da wir gerade von Karten sprechen: Herr Zwakh, spielen Sie Tarok?“
„Tarok? Natürlich. Von Kindheit an.“
„Dann wundert’s mich, wieso Sie nach einem Buche fragen können, in dem die ganze Kabbala steht, wo Sie es doch selbst tausende Male in der Hand gehabt haben.“