„Gut, immerhin einige! — also, daß diese Schrift infolge ihres hohen Wertes und ihrer Seltenheit wieder nur den Reichen zugänglich ist? In einem einzigen Exemplar, das noch dazu im Londoner Museum steckt, wie ich mir habe erzählen lassen? Und überdies chaldäisch, aramäisch, hebräisch — oder was weiß ich wie — geschrieben? — Habe ich zum Beispiel je im Leben Gelegenheit gehabt, diese Sprachen zu lernen oder nach London zu kommen?“
„Haben Sie denn alle Ihre Wünsche so heiß auf dieses Ziel gerichtet?“ fragte Hillel mit leisem Spott.
„Offen gestanden — nein“, gab Zwakh einigermaßen verwirrt zu.
„Dann sollten Sie sich nicht beklagen,“ sagte Hillel trocken, „wer nicht nach dem Geist schreit mit allen Atomen seines Leibes, — wie ein Erstickender nach Luft, — der kann die Geheimnisse Gottes nicht schauen.“
„Es sollte trotzdem ein Buch geben, in dem sämtliche Schlüssel zu den Rätseln der anderen Welt stehen, nicht nur einige“, schoß es mir durch den Kopf, und meine Hand spielte automatisch mit dem Pagad, den ich immer noch in der Tasche trug, aber ehe ich die Frage in Worte kleiden konnte, hatte Zwakh sie bereits ausgesprochen.
Hillel lächelte wieder sphinxhaft: „Jede Frage, die ein Mensch tun kann, ist im selben Augenblick beantwortet, wo er sie geistig gestellt hat.“
„Verstehen Sie, was er damit meint?“, wandte sich Zwakh an mich.
Ich gab keine Antwort und hielt den Atem an, um kein Wort von Hillels Rede zu verlieren.
Schemajah fuhr fort:
„Das ganze Leben ist nichts anderes als formgewordene Fragen, die den Keim der Antwort in sich tragen — und Antworten, die schwanger gehen mit Fragen. Wer irgend etwas anderes darin sieht, ist ein Narr.“