„Was für einen übermenschlichen Haß Sie gegen ihn haben müssen, daß Sie so jeden seiner Schritte belauern. Und noch dazu seit langem, wie Sie sagen!“ warf ich ein.
„Haß?“ Charousek lächelte krampfhaft. „Haß? — Haß ist kein Ausdruck. Das Wort, das meine Gefühle gegen ihn bezeichnen könnte, muß erst geschaffen werden. — Ich hasse, genau genommen, auch gar nicht ihn. Ich hasse sein Blut. Verstehen Sie das? Ich wittere wie ein wildes Tier, wenn auch nur ein Tropfen von seinem Blut in den Adern eines Menschen fließt, — und“ — er biß die Zähne zusammen — „das kommt ‚zuweilen‘ vor hier im Ghetto.“ Unfähig, weiter zu sprechen vor Aufregung lief er ans Fenster und starrte hinaus. — Ich hörte, wie er sein Keuchen unterdrückte. Wir schwiegen beide eine Weile.
„Hallo, was ist denn das?“ fuhr er plötzlich auf und winkte mir hastig: „Rasch, rasch! Haben Sie nicht einen Operngucker oder so etwas?“
Wir spähten vorsichtig hinter den Vorhängen hinunter:
Der taubstumme Jaromir stand vor dem Eingang des Trödlerladens und bot, soviel wir aus seiner Zeichensprache erraten konnten, Wassertrum einen kleinen blitzenden Gegenstand, den er in der Hand halb verbarg, zum Kauf an. Wassertrum fuhr danach wie ein Geier und zog sich damit in seine Höhle zurück.
Gleich darauf stürzte er wieder hervor — totenblaß — und packte Jaromir an der Brust: Es entspann sich ein heftiges Ringen. — Mit einem Mal ließ Wassertrum los und schien zu überlegen. Nagte wütend an seiner gespaltenen Oberlippe. Warf einen grübelnden Blick zu uns herauf und zog dann Jaromir am Arm friedlich in seinen Laden.
Wir warteten wohl eine Viertelstunde lang: sie schienen nicht fertig werden zu können mit ihrem Handel.
Endlich kam der Taubstumme mit befriedigter Miene wieder heraus und ging seines Weges.
„Was halten Sie davon?“ fragte ich. „Es scheint nichts Wichtiges zu sein? Vermutlich hat der arme Bursche irgendeinen erbettelten Gegenstand versilbert.“
Der Student gab keine Antwort und setzte sich schweigend wieder an den Tisch.