Es sah schmucklos aus wie ein Gefängnis. Der Boden peinlich sauber und mit weißem Sand bestreut. Nichts an Möbeln als zwei Stühle und ein Tisch und eine Kommode. Ein Holzpostament je links und rechts an den Wänden. — — —

Mirjam saß mir gegenüber am Fenster, und ich bossierte an meinem Modellierwachs.

„Muß man denn ein Gesicht vor sich haben, um die Ähnlichkeit zu treffen?“ fragte sie schüchtern und nur, um die Stille zu unterbrechen.

Wir wichen einander scheu mit den Blicken aus. Sie wußte nicht, wohin die Augen richten in ihrer Qual und Scham über die jammervolle Stube, und mir brannten die Wangen von innerem Vorwurf, daß ich mich nicht längst gekümmert hatte, wie sie und ihr Vater lebten.

Aber irgend etwas mußte ich doch antworten!

„Nicht so sehr, um die Ähnlichkeit zu treffen, als um zu vergleichen, ob man innerlich auch richtig gesehen hat,“ ich fühlte, noch während ich sprach, wie grundfalsch das alles war, was ich sagte.

Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, — die Gabe, die sie alle zu haben glauben und doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.

Wie konnte ich auch nur von der Möglichkeit sprechen, die unfehlbare Richtschnur der geistigen Vision an den groben Mitteln des Augenscheins nachmessen zu wollen!

Mirjam schien Ähnliches zu denken. Nach dem Erstaunen in ihren Mienen zu schließen.

„Sie dürfen es nicht so wörtlich nehmen,“ entschuldigte ich mich.