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Es war wie Wahnwitz und Komik zugleich, und ich mußte wider Willen hellaut auflachen.
„Schwiegersohn Schaffranek — seine Frau verkauft auf dem Eiermarkt Gurkensaft gläschenweise an die Schuljugend — läuft den ganzen Tag in den Bureaus herum,“ fuhr Charousek grimmig fort, „und erbettelt sich alte Briefmarken. Die sortiert er dann, und wenn er welche darunter findet, die zufällig nur am Rande gestempelt sind, so legt er sie aufeinander und schneidet sie durch. Die ungestempelten Hälften klebt er zusammen und verkauft sie als neu. Anfangs blühte das Geschäft und warf manchmal fast einen — Gulden im Tag ab, aber schließlich kamen die Prager jüdischen Großindustriellen dahinter — und machen es jetzt selber. Sie schöpfen den Rahm ab.“
„Würden Sie Not lindern, Charousek, wenn Sie überflüssiges Geld hätten?“ fragte ich rasch. — Wir standen vor Hillels Tür, und ich klopfte an.
„Halten Sie mich für so gemein, daß Sie glauben können, ich täte es nicht?“ fragte er verblüfft zurück.
Mirjams Schritte kamen näher und ich wartete, bis sie die Klinke niederdrückte, dann schob ich ihm rasch die Banknote in die Tasche: „Nein, Herr Charousek, ich halte Sie nicht dafür, aber mich müßten Sie für gemein halten, wenn ich’s unterließe.“
Ehe er etwas erwidern konnte, hatte ich ihm die Hand geschüttelt und die Tür hinter mir zugezogen. Während mich Mirjam begrüßte, lauschte ich, was er tun würde.
Er blieb eine Weile stehen, dann schluchzte er leise auf und ging langsam mit suchendem Schritt die Treppe hinunter. Wie jemand, der sich am Geländer halten muß.
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Es war das erstemal, daß ich Hillels Zimmer besucht hatte.