„Jawohl! Ermorden! Wie lange wollen Sie mir noch Komödie vorspielen!“ Ich deutete auf die Tür. „Schauen Sie, daß Sie hinauskommen.“

Langsam griff er nach seinem Hut, setzte ihn auf und wandte sich zum Gehen. Dann blieb er noch einmal stehen und sagte mit einer Ruhe, deren ich ihn nie für fähig gehalten hätte:

„Auch recht. Ich hab’ Sie herauslassen wollen. Gut. Wenn nicht: Nicht. Barmherzige Barbiere machen faule Wunden. Mein Zarbüchel ist voll. Wenn Sie gescheit gewesen wären —: der Savioli is Ihnen doch nur im Weg!? — JetztmachichmitIhnen allen dreien“ — er deutete mit einer Geste des Erdrosselns an, was er meinte — „Preßcolleeh.“

Seine Mienen drückten eine so satanische Grausamkeit aus, und er schien seiner Sache so sicher zu sein, daß mir das Blut in den Adern erstarrte. Er mußte eine Waffe in Händen haben, von der ich nichts ahnte, die auch Charousek nicht kannte. Ich fühlte den Boden unter mir wanken.

Die Feile! Die Feile!“ hörte ich es in meinem Hirn flüstern. Ich schätzte die Entfernung ab: ein Schritt bis zum Tisch — zwei Schritte bis zu Wassertrum — — ich wollte zuspringen — — — da stand wie aus dem Boden gewachsen Hillel auf der Schwelle.

Das Zimmer verschwamm vor meinen Augen.

Ich sah nur — wie durch Nebel —, daß Hillel unbeweglich stehen blieb und Wassertrum Schritt für Schritt bis an die Wand zurückwich.

Dann hörte ich Hillel sagen:

„Sie kennen doch, Aaron, den Satz: Alle Juden sind Bürgen füreinander? Machen Sie’s einem nicht zu schwer.“ — Er fügte ein paar hebräische Worte hinzu, die ich nicht verstand.

„Was haben Sie das netig, an der Türe zu schnuffeln?“ geiferte der Trödler mit bebenden Lippen.