Ohne seine Unterbrechungen im geringsten zu beachten, sagte ich ihm auf den Kopf zu, daß Erpressungen irgendwelcher Art — ich betonte das Wort — mißglücken müßten, da er auch nicht eine einzige Anschuldigung mit Beweisen erhärten könnte und ich mich einer Zeugenschaft (angenommen, es wäre überhaupt im Bereiche der Möglichkeit, daß es je zu einer solchen käme) — bestimmt zu entziehen wissen würde. Angelina stünde mir viel zu nahe, als daß ich sie nicht in der Stunde der Not retten würde, koste es, was es wolle, sogar einen Meineid!
Jede Muskel in seinem Gesicht zuckte, seine Hasenscharte zog sich bis zur Nase auseinander, er fletschte die Zähne und kollerte wie ein Truthahn mir immer wieder in die Rede hinein: „Will ich denn was von die Duksel? So hören Sie doch zu!“ — Er war außer sich vor Ungeduld, daß ich mich nicht beirren ließ. — „Um den Savioli is mir’s zu tun, um den gottverfluchten Hund, — den — den —,“ fuhr es ihm plötzlich brüllend heraus.
Er japste nach Luft. Rasch hielt ich inne: endlich war er dort, wo ich ihn haben wollte, aber schon hatte er sich gefaßt und fixierte wieder meine Weste.
„Hören Sie zu, Pernath,“ er zwang sich, die kühle, abwägende Sprechweise eines Kaufmanns nachzuahmen, „Sie reden fort von der Duk — — von der Dame. Gut! sie ist verheiratet. Gut: sie hat sich eingelassen mit dem — mit dem jungen Lauser. Was hab’ ich damit zu tun?“ Er bewegte die Hände vor meinem Gesicht hin und her, die Fingerspitzen zusammengedrückt, als hielte er eine Prise Salz darin — „soll sie sich das selber abmachen, die Duksel. — Ich bin e Weltmann, und Sie sin auch e Weltmann. Wir kennen doch das beide. Waas? Ich will doch nur zu meinem Geld kommen. Verstehen Sie, Pernath?!“
Ich horchte erstaunt auf:
„Zu welchem Geld? Ist Ihnen denn Dr. Savioli etwas schuldig?“
Wassertrum wich aus:
„Abrechnungen hab’ ich mit ihm. Das kommt doch auf eins heraus.“
„Sie wollen ihn ermorden!“ schrie ich.
Er sprang auf. Taumelte. Gluckste ein paarmal.