Vrieslander, seinen kegelförmigen Hut mit der geraden Krempe auf dem Kopf, mit seinem Knebelbart, der bleigrauen Gesichtsfarbe und der Narbe unter dem Auge, sah aus wie ein ertrunkener Holländer aus einem vergessenen Jahrhundert.

Josua Prokop hatte sich eine Gabel quer durch die Musikerlocken gesteckt, klapperte unaufhörlich mit seinen gespenstisch langen Knochenfingern und sah bewundernd zu, wie sich Zwakh abmühte, der bauchigen Arakflasche das Purpurmäntelchen einer Marionette umzuhängen.

„Das wird Babinski“, erklärte mir Vrieslander mit tiefem Ernst. „Sie wissen nicht, wer Babinski war? Zwakh, erzählen Sie Pernath rasch, wer Babinski war!“

„Babinski war“, begann Zwakh sofort, ohne auch nur eine Sekunde von seiner Arbeit aufzusehen, „einst ein berühmter Raubmörder in Prag. — Viele Jahre betrieb er sein schändliches Handwerk, ohne daß es jemand bemerkt hätte. Nach und nach jedoch fiel es den besseren Familien auf, daß bald dieses, bald jenes Mitglied der Sippe beim Essen fehlte und sich nie wieder blicken ließ. Wenn man auch anfangs nichts sagte, da die Sache gewissermaßen ihre guten Seiten hatte, indem man weniger zu kochen brauchte, so durfte wiederum nicht außer acht gelassen werden, daß das Ansehen in der Gesellschaft leicht darunter leiden und man ins Gerede kommen konnte.

Besonders, wenn es sich um das spurlose Verschwinden mannbarer Töchter handelte.

Überdies verlangte es die Hochachtung vor sich selbst, daß man auf ein bürgerliches Zusammenleben in der Familie nach außen hin das nötige Gewicht legte.

Die Zeitungsrubriken: „Kehre zurück, alles ist verziehen“ wuchsen immer mehr und mehr, — ein Umstand, den Babinski, leichtsinnig wie die meisten Berufsmörder, in seine Berechnungen nicht einbezogen hatte, — und erregten schließlich die allgemeine Aufmerksamkeit.

In dem lieblichen Dörfchen Krtsch bei Prag hatte sich Babinski, der innerlich ein ausgesprochen idyllischer Charakter war, mit der Zeit durch seine unverdrossene Tätigkeit ein kleines, aber trautes Heim geschaffen. Ein Häuschen, blitzend vor Sauberkeit, und ein Gärtchen davor mit blühenden Geranien.

Da es ihm seine Einkünfte nicht gestatteten, sich zu vergrößern, sah er sich genötigt, um die Leichen seiner Opfer unauffällig bestatten zu können, statt eines Blumenbeetes — wie er es gern gesehen hätte — einen grasbewachsenen und schlichten, aber, den Umständen angemessen: zweckmäßigen Grabhügel anzulegen, der sich mühelos verlängern ließ, wenn es der Betrieb oder die Saison erforderte.

Auf dieser Weihestätte pflegte Babinski allabendlich nach des Tages Last und Mühen in den Strahlen der untergehenden Sonne zu sitzen und auf seiner Flöte allerlei schwermütige Weisen zu blasen.“ — —