Prokop suchte sofort wieder nach seinem Hausschlüssel, aber Zwakh wehrte ihm.

„— infolge allgemeiner Amnestie wurde dem Babinski der Rest der Strafe nachgesehen, und er bekam die Stelle eines Pförtners im Kloster der ‚Barmherzigen Schwestern‘.

Die leichte Gartenarbeit, die er nebenbei mit zu versehen hatte, ging ihm dank der großen, während seines früheren Wirkungskreises erworbenen Geschicklichkeit im Gebrauch des Spatens hurtig von der Hand, so daß ihm hinlänglich Muße blieb, Herz und Geist an guter, sorgfältig ausgewählter Lektüre zu läutern.

Die daraus resultierenden Folgen waren hocherfreulich.

So oft ihn die Oberin Samstagsabends ins Wirtshaus schickte, damit er sein Gemüt ein wenig erheitere, jedesmal kam er pünktlich vor Anbruch der Nacht nach Hause mit dem Hinweis, der Verfall der allgemeinen Moral stimme ihn trübe und soviel lichtscheues Gesindel schlimmster Sorte mache die Landstraße unsicher, daß es für jeden Friedliebenden ein Gebot der Klugheit sei, rechtzeitig die Schritte heimwärts zu lenken.

Es war nun damaliger Zeit in Prag bei den Wachsziehern die Unsitte eingerissen, kleine Figürchen feilzuhalten, die ein rotes Manterle umhängen hatten und den Raubmörder Babinski darstellten.

Wohl in keiner der leidtragenden Familien fehlte ein solches.

Gewöhnlich aber standen sie in den Läden unter Glasstürzen, und über nichts konnte sich Babinski so empören, als wenn er eines derartigen Wachsbildes ansichtig wurde.

‚Es ist im höchsten Grade unwürdig und zeugt von einer Gemütsroheit sondersgleichen, einem Menschen beständig die Verfehlungen seiner Jugendzeit vor Augen zu führen,‘ pflegte Babinski in solchen Fällen zu sagen, ‚und es ist tief zu bedauern, daß von seiten der Obrigkeit nichts geschieht, so offenkundigem Unfug zu steuern.‘

Noch auf dem Totenbette äußerte er sich in ähnlichem Sinne.