„Nur en Augenblick, Herr von Pernath“, bat er fassungslos, als ich ihm bedeutete, daß ich keine Zeit hätte. „Nur en ganz en kurzen Augenblick. Nur ä paar Worte.“

Der Schweiß lief ihm übers Gesicht, und er zitterte vor Aufregung.

„Kann man hier auch ungestört mit Ihnen sprechen, Herr von Pernath? Ich möcht’ nicht, daß der — der Hillel wieder hereinkommt. Sperren Sie doch lieber die Tür ab, oder geh’ mer besser ins Nebenzimmer“, — er zog mich in seiner gewohnten, heftigen Art hinter sich drein.

Dann sah er sich ein paarmal scheu um und flüsterte heiser:

„Ich hab mir’s überlegt, wissen Sie, — das von neilich. Es is besser so. Es kommt nix heraus dabei. Gut. Vorüber is vorüber.“

Ich suchte in seinen Augen zu lesen.

Er hielt meinen Blick aus, krampfte aber die Hand in die Stuhllehne, solche Anstrengung kostete es ihn.

„Das freut mich, Herr Wassertrum,“ sagte ich so freundlich ich konnte, „das Leben ist zu trüb, als daß man es sich gegenseitig noch mit Haß verbittern sollte.“

„Rein, als ob man ä gedrucktes Buch reden hört,“ grunzte er erleichtert, wühlte in seinen Hosentaschen und zog wieder die goldene Uhr mit den verbogenen Sprungdeckeln hervor, „und damit Sie sehen, ich mein’s ehrlich, müssen Sie die Kleinigkeit da von mir annehmen. Als Geschenk.“

„Was fällt Ihnen denn ein,“ wehrte ich ab, „Sie werden doch wohl nicht glauben — —“, da fiel mir ein, was Mirjam über ihn gesagt hatte, und ich streckte ihm die Hand hin, um ihn nicht zu kränken.